Blog für die zweite Lebenshälfte

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Archiv für September, 2010

30. September 2010
„Vier gewinnt!” – Zukunft in Kirche und Kommune gemeinsam gestalten

(Gastbeitrag von Hartmut Wolter) „Wie wollen Sie im Jahr 2020 leben?“ Stelle ich diese Frage, sprudeln mir erst einmal viele gute Ideen entgegen, dann kommt aber häufig ein einschränkendes „…naja, ob ich das hinbekomme?“ entgegen. „Eigentlich könnte ja auch die Stadt so etwas anbieten oder die Kirchengemeinde, das Diakonische Werk oder andere Wohlfahrtsverbände!“, heißt es dann oft.

Genau an dieser Stelle hat im Frühjahr 2009 das Projekt „Vier gewinnt!“ angesetzt, um sich den notwendigen und wünschenswerten Veränderungen zu stellen, die mit dem demografischen Wandel verbunden sind. In Bad Orb, Eschwege und Zierenberg werden seit dem regelmäßig „runde Tische“ durchgeführt, Projekte geplant und in ersten Schritten umgesetzt. Fazit: gemeinsam mit Kirche, Kommune und Diakonie können Bürgerinnen und Bürger viel leichter ihre Wünsche an eine lebens- und liebenswerte Zukunft umsetzen.

Nach einer Projektphase von 18 Monaten werden am 5. November 2010 in Kassel die Projektentwicklung und –ergebnisse präsentiert. Anschließend laden wir zu einem gemeinsamen Austausch über die Möglichkeiten an Ihrem Wohnort ein und geben Ihnen nützliche Tipps und Hinweise für die Vernetzung von Hauptamtlichen und freiwillig Engagierten mit auf den Weg!
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Hartmut Wolter, Referat Erwachsenenbildung der EKKW, Projektleiter “Vier gewinnt”
Tel: 0561-9378-284
hartmut.wolter@ekkw.de

30. September 2010
Hoch-Tief

Hochs und Tiefs. Wir haben sie, wir leben sie. Ertragen, gestalten, bewältigen sie. In der Clownswelt und der Theatersprache werden sie bewusst eingesetzt: Der “Hochstatus” verkörpert das Gefühl: ich bin genau richtig, ich bin wunderbar, ich kann was, ich zeige mich gerne – mit der Tendenz zu: ich bin besser als die anderen! Der “Tiefstatus”, das ist “Entschuldigung, dass ich da bin”, das sich klein und wertlos fühlen, verzagt sein. Die meisten von uns kennen beides, und wenn wir ehrlich sind, ist uns auch die jeweilige Zuspitzung nicht unbekannt – nur dass wir sie bei anderen leichter erkennen als bei uns. Unsere Clowns fürs Altenheim waren zum dritten Kursabschnitt im Haus – und sie durften sich den Hoch- und Tiefstatus eingehend erspielen. Die ersten Verwandlungen wurden probiert: Hüte, Hütchen, Zylinder und Kappen auf und abgesetzt, mit Persönlichkeiten gefüllt, Tricks gelernt, Lieder gesungen. Schließlich gingen in kleinen Begegnungen je eine Clownin im Hoch- und eine im Tiefstatus aufeinander zu. Was hier geschah, war anrührend: Ein kleines kompaktes Wesen (im richtigen Leben Ende 60) mit Schlapphut, ganz in sich zusammengefaltet, die Mundwinkel nach unten gezogen, die Augen traurig, schleicht umher. Plötzlich brummt ein “Alle Vögel sind schon da” unter dem Schlapphut hervor. So traurig und mutlos haben wir das Lied noch nie gehört. Da (weiterlesen …)

26. September 2010
Paradekissen gesucht

Projekt Practice Aging: BEsticktes Paradekissen Erinnern Sie sich noch? Die Paradekissen auf dem Ehebett. Meine Mutter erzählte mir, dass die Tür zum Schlafzimmer ihrer Schwiegereltern immer offen stand. Das perfekt gemachte Bett war das Aushängeschild der guten Hausfrau. Die Bettdecken wurden so benutzt, dass die obere Seite möglichst glatt zurückblieb. Und als Krönung das Paradekissen. Meine Mutter hat mir ihre Sammlung für mein Projekt “Practice aging as an art form” (Übe das Älterwerden wie eine Kunst) bereitwillig aus dem Schrank geholt. Ich sticke darauf die Gesichter meiner Vorgängerinnen im Älterwerden. Hier ist das erste fast fertige Ergebnis. Ziemlich eindrucksvoll, das Kissen, wenn es da so in meiner Hand liegt, mit all der Hohlsaumstickerei, den kunstvollen Spitzen. Eindrucksvoll auch, das erste Foto zu studieren und auf die wesentlichen Linien zu konzentrieren.

Nun brauche ich mehr Paradekissen. Und mehr Geschichten. Wie war das bei Ihnen? Haben Sie noch eins übrig? Würden Sie es mir schenken? Sie bekommen es garantiert nicht zurück und ich garantiere auch nicht, dass es im Dezember bei einer Tagung gezeigt wird. Schreiben Sie mir Ihre Geschichte zum Paradekissen.

Schicken Sie es an: ebz Würzburger Str. 13, 63619 Bad Orb

Mehr zum Projekt in der Kategorie Practice Aging.

21. September 2010
Kätchen ist eingezogen

Seit einer Woche wohnt sie bei uns. Thront sie bei uns. Kätchen Wünsche. Bei uns im Erdgeschoss. Sie ist die Nachbarin der Künstlerin Eva Anna König. In Wintermantel und Mütze, so wie sie die alte Dame einmal im Winter im Hausflur traf, hat sie ihre Hausgenossin gemalt. Im Atelier treffen sie sich zum nachbarschaftlichen Gespräch. Kätchen, inzwischen 96 Jahre alt, lebt noch – mit Hilfe –  im eigenen Haushalt. Sie ist inzwischen schwächer geworden. Auf diesem Gemälde jedoch steht sie aufrecht, würdevoll, stolz. Mit starkem Strich gesetzt, wirkt die Krücke wie der Bischofsstab eines Würdenträgers. Und in der Tat, Frau Wünsche nennt ihre Gehhilfe ihren „Mercedes“. Die Handschuhe erzählen von Zeiten, die wir bald nur noch aus Büchern kennen – damals als frau noch Handschuhe trug. Und Hut natürlich.  Hier heben beide “Insignien” die Würde einer alten Frau hervor. Nun lächelt sie bei uns im ebz. Meine Mitarbeiterinnen sind ganz begeistert von der neuen “Mitbewohnerin”. Eine Präsenz die Mut macht und vergnügt.

Die Künstlerin Eva Anna König, Jg. 1937, lebt in Gelnhausen. Ich danke ihr sehr für diese Leihgabe.

15. September 2010
Falten

Bisher waren Falten für mich kein Thema. Ich war auch ganz verwundert, als eine Kollegin (ihre Schwester ist Kosmetikerin) sehr nachdrücklich auf die Wichtigkeit der richtigen Hautpflege ab 40 hinwies. Wegen der Falten. Gegen die Faltenbildung. Für mich gab es bisher Menschen mit mehr und Menschen mit weniger Falten. Ich fand die vielen Variationen immer spannend und schön. Finde ich immer noch.
Jetzt allerdings habe ich ein Problem. Für mein Projekt “Practice aging as an art form” (Übe das Älterwerden wie eine Form von Kunst ein) habe ich begonnen, das Gesicht meiner Großmutter zu zeichnen. Ich will es später sticken. Also kommt es auf die wesentlichen Linien an. Die Preisfrage ist nun: welche Falten machen ein Gesicht wirklich älter? Zuerst habe ich alle Linien gezeichnet, die ich auf dem Portrait meiner Großmutter finden konnte. Dann fing ich an, weg zu radieren, was mir überflüssig schien. 2 – 4 wesentliche Falten blieben übrig! Die von den Nasenflügeln Richtung Mundwinkel und die von den Mundwinkeln Richtung Kinn. Warum ist mir das bisher nicht aufgefallen?  Vielleicht, weil das menschliche Gesicht von Anfang an ein sich täglich wandelndes Gesamtkunstwerk ist.

9. September 2010
Menschen im Ruhestand: Hubert Hein

Hubert Hein, 73, ist Referent unseres Bildungsurlaubs „Vorbereitung auf den Ruhestand“. Was er vermittelt, lebt er. Er achtet darauf, dass seine eigenen Interessen, die Begegnung mit Menschen und die Auseinandersetzung mit den Inhalten, die in seiner jetzigen Lebensphase dran sind in einer guten Balance sind. Daraus  hat er ein System entwickelt „Ich-Du-Sach-Bereiche“, darüber ein Buch geschrieben und informative Vorträge entwickelt.

Er ist seit über vierzig Jahren mit seiner Frau Christa verheiratet und Vater von drei Kindern. Seine berufliche Laufbahn begann mit einer Ausbildung zum Chemietechniker und fand ihren Abschluss als Inhaber und Leiter eines staatlich zugelassenen Umweltlabors. Daneben hat er 25 Jahre lang als Spezialist für Umweltanalytik und Umweltrecht für ein großes Unternehmen gearbeitet und Fachseminare organisiert.
Er ist Autor verschiedener Fachbücher und Fachartikel. Mit dem Bestseller „Fit für die zweite Lebenshälfte“ (Verlag Hartmut Becker) ist ihm der Übergang in das Buchsegment Ratgeber gelungen.
Seit seinem „Unruhestand“ ist er Mitglied im SeniorenComputerClub Alzenau, widmet einen großen Teil seiner Zeit dem Schreiben und hält Vorträge über den Themenbereich „Zweite Lebenshälfte“.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Der Kluge weiß es, der Könner kann es, aber nur der Fleissige tut es!
Es ist alles nur für eine kurze Zeit geliehen.

Wann/ woran haben Sie gemerkt, dass Sie älter werden?
Mit dem Ausstieg aus dem Berufsleben (weiterlesen …)