Blog für die zweite Lebenshälfte

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Archiv für Dezember, 2010

31. Dezember 2010
Wege aus dem alten Jahr – Schnittmuster/Schrittmuster

Wer schon mal selbst genäht hat, weiß vovon ich spreche: ein riesengroßer Bogen hauchdünnen Papiers, darauf Linien aller Art, man kniet halb liegend auf dem Boden und versucht die richtige Linie mit dem Rädchen zu verfolgen.  Das erinnert mich manchmal ans “richtige Leben”. Nicht nur Spaßmacher haben Schnittmusterbögen als Landkarten ausgegeben. Dorothee Becker hat ein Erlebnis von 1945 gefunden, wo eine verzweifelte Mutter einem jungen russischen Soldaten ein Schnittmuster in die Hand drückte, weil der unbedingt wissen wollte, wo Berlin liegt. Ihre Ausstellung bei uns im ebz spielt mit dem Motiv des Schnittmusters als Wegweiser. In ihren Aus-Schnitten aus den alten Schnittmusterbögen ihrer Mutter entstanden kleine geheimnisvolle Botschaften. Sie sind noch bis zum 16. Januar zu sehen.

Wie waren die Wege Ihres Jahres? Waren sie gerade und leicht zu finden?, gestrichelt , gepunktet, durchkreuzt, sodass Sie sich verlaufen haben? Haben Sie ein Zuhause gefunden? Ihre Frau, Ihren Mann gestanden?

Ich wünsche Ihnen einen guten und gesegneten Übergang ins Neue Jahr und hoffe, dass sich unsere Wege virtuell oder im ebz kreuzen werden.

28. Dezember 2010
Wege zwischen den Jahren – “Die Knef”

Hildegard Knef wäre heute 85 Jahre alt geworden. Ich stecke gerade in den Vorbereitungen für unsere Silvesterfreizeit mit dem Titel “Wege ins neue Jahr”. Also suchte ich und wurde fündig. Die Knef hat ihr Leben besungen, steil hinauf, steil hinab und auch im Kreis. Welche Wege haben Sie dieses Jahr beschritten? Leider habe ich kein Video gefunden, dass Sie die Knef auch hören könnten. Aber hier sind ein paart Gedanken der Knef über das Leben:

So oder so ist das Leben

So oder so ist das Leben,
so oder so ist es gut.
So wie das Meer ist das Leben,
ewige Ebbe und Flut.

Heute nur glückliche Stunden,
morgen nur Sorgen und Leid.
Neues bringt jeder Tag
was da auch kommen mag,
halte dich immer bereit.

Du musst entscheiden,
wie du leben willst,
nur darauf kommt es an,
und musst du leiden,
dann beklag dich nicht,
du änderst nichts dran.

So oder so ist das Leben.

Ich sage: Heute ist heut`!
Was ich auch je begann,
das hab ich gern getan,
ich hab es nie bereut.

Man lebt auf dieser Welt
und sucht das Glück
und weiß nicht wo es liegt
auf Erden wohl

Der Eine sieht im Geld
sein Ziel und sein Geschick,
der andere glaubt
dass nur die Liebe lohnt

Ein jeder hat das Recht
zum Glücklichsein
den Weg musst du dir suchen
kreuz und quer

Ob´s gut geht oder schlecht
das weiß nur Gott allein
dir bleibt die Wahl
und sei sie noch so schwer

Du musst entscheiden,
wie du leben willst,
nur darauf kommt es an,
und musst du leiden,
dann beklag dich nicht,
du änderst nichts dran.

So oder so ist das Leben.
Ich sage: Heute ist heut?!
Was ich auch je begann,
das hab ich gern getan,
ich hab es nie bereut.

22. Dezember 2010
Happy Birthday, Jesus – Weihnachten allein?

Bei mir: Der Heilig Abend Predigt fehlt noch die entscheidende Wendung, der Baum steht auf dem Balkon, das Essen ist gekauft. Die Wohnung ein Saustall. Die Engelsärmel wollen noch ins Engelsgewand gefummelt werden.

Bei Ihnen? Vorfreude? Alle Jahre wieder zwischen Hoffnung und Enttäuschung. Oder endlich befreit von den Erwartungen, die den Blick für das Verstellen, was sich gerade wirklich ereignet.

Ich habe mich heute gefragt, wie wohl alle diejenigen, die die Weihnachtstage allein verbringen werden, sich auf die kommenden Tage vorbereiten. Wird das Glas “halb voll” oder “halb leer” sein? Werden die Erinnerungen Ihnen die Tage schwer oder leicht machen? Welche Rituale haben Sie für sich selbst gefunden?

Ob nun allein oder mit anderen: hier eine herrlich melancholische Begleitmusik:
“Happy Birthday, Jesus”, gefunden bei 3Sat Happy Birthday, Jesus

Ich wünsche Ihnen, dass Sie beim Kind in der Krippe ankommen. Ich wünsche Ihnen gesegnete Weihnachten.

21. Dezember 2010
“Wie uns die Alten sungen”: Radio Emma

In meiner Kindheit begann Weihnachten, wenn Tante Emma kam. Im Gepäck die Blockflöten und die Weihnachtsliederhefte. Auf dem runden Glastisch rannten die Rehlein mit den Zwergen um die Wette ( eine der vielen Weihnachtspyramiden meiner Mutter), die Kerzen am Adventskranz leuchteten und wir drei Kinder hingen auf den Kanten des grünen Breitcord - Sofas, die Flöten bereit. “Kommet ihr Hirten, ihr Männer und Fraun”. Dieses und viele, viele andere Advents-und Weihnachtslieder haben sich tief in meine Seele eingesungen und -geflötet. Dank Tante Emma, die mit ihren Gicht-knotigen Händen dennoch die Flöte spielte und unseren Kinderseelen Nahrung für die Zukunft gab. (Im Hintergrund wirbelte meine Mutter - dankbar für die Entlastung – als Weihnachtsfee.) 
Die Älteren können den Jüngeren kein schöneres Geschenk machen. Singen Sie, heute, an Weihnachten und danach. Radio Oma, Radio Opa, Radio Emma – es gibt keinen schöneren Sender.

Heute hörte ich in HR2 wieder den musikalischen Adventskalender. Dort finden Sie viele schöne Lieder, samt Noten und sogar zum Mitsingen.

13. Dezember 2010
Dem Stern folgen – aus dem Tritt kommen

Bei unserer Weihnachtswerkstatt am ersten Advent tanzte ich im Abschlussgottesdienst mit einer Reihe von Mädchen einen “Sternentanz”. Die Jüngste, Sophia, etwa 4 Jahre alt, hatte beim Einüben alle Schritte wunderbar mitgemacht. Zu den Klängen des Winters aus Vivaldis Jahreszeiten schritten wir zur Mitte, erhoben die Hände, senkten sie wieder, drehten uns um die eigene Achse und ließen zum Schluss eine Sternschnuppe fliegen. Erst im Gottesdienst hatten wir die Sterne dazu in der Hand. Eine andere Kindergruppe hatte sie ausgeschnitten und frei nach dem Märchen “Die Sterntaler” überlegt, welche Himmelsgeschenke sie bekommen haben und was sie sich für  Weihnachten wünschen. Die goldenen Sterne trugen Aufschriften wie “einander vertragen”, “Frieden”, “mit der Familie zusammen sein” und vieles mehr.
Nun hielten die Tänzerinnen die Sterne, in jeder Hand einen. Die Musik erklang, die Sterne schwebten in die Höhe. Nur zwei nicht. Sophia stolperte langsam mit, versunken betrachtete sie ihre Sterne. Den ganzen Tanz lang leuchtete sie ihre Sterne an.
Erst viel später wurde mir bewusst, was hier geschehen ist: die Sterne haben sie aus dem Tritt gebracht. Weil sie so schön waren. Weil sie dem Kind, direkt in die Seele schienen.
Ich schaue also auf den Stern. Er wird mich zur Krippe führen. Zum Himmelsgeschenk, das für mich zur Welt gekommen ist.  “Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen. O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen!” (Paul Gerhardt, EG 37, Ich steh an deiner Krippen hier)
Wird sein Anblick mich aus dem Tritt bringen?

9. Dezember 2010
Zur Ehre von Josef, dem Zimmermann

Joseph ist ja eher eine Randfigur im weihnachtlichen Geschehen. Dabei hat er eine zentrale Rolle gespielt. Und er war in der zweiten Lebenshälfte, als er plötzlich Vater eines nicht von ihm gezeugten Kindes wurde. Mein Kollege Hartmut Wolter wurde durch eine Pfarrerin auf die Entdeckungsspur gebracht. Sie wird dieses Jahr an Weihnachten  mit einer Jugendband einen Song der “Killers”  über Joseph spielen.  Das Musikvideo (es ist leider nicht ohne die vorgeschaltete Werbung zu haben) spielt mit dem Weihnachtskitsch, der Text ist jedoch in keiner Weise weichgespült.  Aber lesen sie selbst, was Hartmut Wolter dazu schreibt.

The Killers – Joseph, better you than me

- The Killers, Elton John und Neil Tennant (Pet Shop Boys), Weihnachten 2008; deutsche (freie) Übersetzung:

Joseph, du hast es besser hinbekommen, als ich es geschafft hätte
Dein Blick ist nicht mehr der gleiche, Joseph.
Willst du deinen Ruf verspielen, Joseph?
Da ist der blasse Mondschein über dir,
spürst du das Hin- und Hergerissensein – zerreißt es dich nicht?  (weiterlesen …)

6. Dezember 2010
Hallelujas an unerwarteten Orten

Plötzlich im Alltag – ein Halleluja. Diesen besonderen Nikolaus möchte ich Ihnen nicht vorenthalten! Mögen für Sie Hallelujas an unerwarteten Orten erklingen.

Christmas Food Court Flash Mob, Hallelujah Chorus

3. Dezember 2010
Töpfchen steh

Heute morgen ist das Märchen vom süßen Brei bei mir “angekommen”. Ein armes Mädchen bekommt von einer alten Frau ein Töpfchen geschenkt und die dazu gehörigen Zauberworte. Nun kann das Kind sich selbst und seine Mutter versorgen und sie brauchen nicht mehr zu hungern.
Als das Kind einmal nicht da ist, versucht die Mutter ihr Glück mit dem Töpfchen. Doch da sie nicht weiß, wie sie den Fluss des guten süßen Breis stoppen kann, ergießt er sich im ganzen Haus und bedeckt schließlich fast den ganzen Ort mit seinem überbordenden Segen.

Heute morgen kamen aus dem Traumland als erstes die fehlenden Worte zu mir “Töpfchen, steh”. Und mit einem Mal wusste ich: (weiterlesen …)

1. Dezember 2010
Märchen erzählen

Offene Münder bei Jung wie Alt gleichermaßen. Wenn Reinhilde Freund, Wilhelm-Hauff-Preisträgerin, Märchen erzählt, dann taucht man ein in eine lebendige Bilderwelt. Unsere Weihnachtswerkstatt am ersten Advent hat unter der Ermutigung von Frau Freund und ihrem Mann Ulrich Freund, Mitglied der Europäischen Märchengesellschaft, viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene geradezu verwandelt: in Sterntaler, Frau Holle mit Haube und frischgebackene Märchenerzählerinnen und -erzähler.

Warum Märchen so eindrücklich sind, beschrieb Herr Freund: sie sind linear, d.h. sie fangen vorne an und gehen den direkten Weg zum Ende, ohne Schnörkel in die Vergangenheit oder Zukunft. Sie sind flächenhaft, das heißt, dass wir unsere Gefühle und Gedanken in die Figuren eintragen können. Und es geschieht ein Wunder, etwas Wunderhaftes.

Selten haben wir die fast 4o Kinder so ruhig erlebt wie in diesen Tagen. sie haben sich in die Welt der Wunder mitnehmen lassen und auch die Erwachsenen gingen mit neuen Seelenbildern nach Hause.

1. Dezember 2010
Märchen im Advent – Wege durch die Nacht

Was habe ich mich im Vorfeld gequält.  Da haben wir nun für unsere Weihnachtswerkstatt am ersten Advent das Thema Märchen gewählt. Passt ja auch so gut zum Advent. Dachte ich. Und dann saß ich da mit Sterntaler, Frau Holle, den sieben Geisslein und einem Hexenhäuschen. Oh Schreck: ein muttervaterobdachloses Mädchen geht in den dunklen Wald und gibt ihr letztes Hemd. Eine andere spinnt sich die Finger blutig und muss ebenso mutterlos alles alleine richten. Die Geislein sind allein zu Haus und durchleben das Trauma, mit Haut und Haar gefressen zu werden. Und das Hexen-Lebkuchen-Häuschen ist auch eine mehr als trügerische Rettung.

Nun weiß ich natürlich, dass man die Märchen symbolisch wie Träume verstehen kann, als Entwicklungsgeschichten auf dem Weg zum erwachsen werden. Aber muss ich mir  – und den Kindern, oder den Senioren, solche Bilder gerade in der Adventszeit antun? Man will es doch auch mal schön haben…

Doch dann schaute ich genauer hin: die Weihnachtsgeschichte ist auch nicht gemütlich. Eine Mutter muss ihr erstes Kind ohne Beistand einer Hebamme zur Welt bringen. In einem Stall. Hirten als Randgestalten der Gesellschaft machen einem merkwürdigen König ihre Aufwartung. Herodes will das Kind töten – es wird gerettet durch göttliche Traum-Hilfe. Nicht ohne dass andere Kinder sterben. Das ist nicht romantisch. Das ist genauso weit weg von unseren Alltagserfahrungen, wie die Armuts- und Königswelt der Märchen. Und es ist genauso tief wie die Märchen.

Christliche Werte spielen in den Märchen eine Rolle. Die goldene (weiterlesen …)