Blog für die zweite Lebenshälfte

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Archiv für April, 2011

24. April 2011
Vergnügt, erlöst, befreit

Mit einem Psalm von Hanns Dieter Hüsch wünsche ich Ihnen gesegnete Ostern!

PSALM

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich.
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.

Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen.
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.

Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsal hält, weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Hanns Dieter Hüsch      

*Quelle: Hanns Dieter Hüsch, Ich bin vergnügt
aus: Hanns Dieter Hüsch/Uwe Seidel, Ich stehe unter Gottes Schutz, Düsseldorf 2003, S. 140. tvd-Verlag Düsseldorf 1996

18. April 2011
Clownssternstunden

“Ich bin gekommen um den Frühling zu suchen, haben Sie vielleicht den Frühling gesehen? Nein? Ich hab auch mein Blümeli verloren. Helfen Sie mir, es zu rufen? Blüüüüüümeli!” Blümeli zockelt herein in das Pflegezimmer und gesellt sich zu Kalinka. Frau Rieglein (Name geändert) liegt im Bett und strahlt.  Blümeli hat ein Gedicht vorbereitet. Während sie sich “aufbaut”, zieht Kalinka ein langes blaues Band aus der Tasche ihrer Kittelschürze. “Da müssen Sie mir mal helfen Frau Rieglein und das Band ganz fest halten. ” Frau Rieglein greift fest zu und Blümeli beginnt: “Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte…” Frau Rieglein spricht mit, riecht an der Tulpe, die die beiden mitgebracht haben und winkt später zum Abschied.

Eine Szene aus dem Praktikum, das unsere Clowninnen und Clown in Ausbildung in der Martin-Luther-Stiftung Hanau und im Altenpflegeheim St. Martin ,Bad Orb, absolviert haben. Sie haben sich intensiv vorbereitet, haben Informationen über die zu Besuchenden erhalten, haben ihre kleine Einstiegsgeschichte noch mal geprobt und sich warm gesungen. Und dann gings los!
Es war eine bereichernde Erfahrung für beide Seiten. Die Begegnungsclowns haben den ersten riesigen Schritt in die Begegnung mit Menschen im Altenheim gewagt und die BewohnerInnen, Pflegende und Angehörige waren beglückt und begeistert.

Zum Abschluss des Clownskurses mit Gisela Matthiae und Gabi Erne  haben wir die Teilnehmenden nach ihren Sternstunden während des Kurses gefragt:

„Das Hineinfinden in meine Figur bis zum absoluten „flow“ – so noch nicht erlebt!“
Gudrun, 69

„Der Platz in meiner Mitte ist jetzt erfrischend (mit meiner Clownsfigur) besetzt!“
Carina, 28

„Die Erkenntnis wie wichtig Rhythmisierung im Zusammenspiel ist, war ein Schlüsselerlebnis.“
Felicitas, 30

„Es ist gut mal eine „Fremdsprache“ (Gromolo) zu lernen ohne Vokabeln und Grammatik zu pauken. Wenn die Menschen mehr Gromolo sprechen würden, gäbe es weniger Missverständnisse.“
Stephanie, 33 / Blümli

„Die direkte intensive Begegnung mit einem Bewohner und seiner Frau war eine echte Sternstunde. Im Raum stand Leichtigkeit, Heiterkeit, Lebendigkeit und unerwartete Zuversicht.“
Renate, 55

„Meine Sternstunde war zu erleben, wie die Wachkoma-Patientin mit ihren Augen gezeigt hat, wie gut ihr der Auftritt der Clowns gefallen hat.“
Wanda, 75

„Die Bedeutung des Liedersingens und – begleitens im Altenheim hat mich von Anfang an inspiriert und das Üben mit meiner kleinen Clowns-Ukulele, die trotz Kleinheit so schön klingt, macht ungeahnten Spass. Und dass wir mit den Liedern selbst eine Wachkoma Patientin gefühlsmäßig erreicht haben, ist eine wunderbare neue Erfahrung – ein Geschenk!“
Helene, 67

„Die Erfahrung machen zu dürfen, unterschiedlichste Menschen mit Humor und Lebensfreude anstecken und mitreißen zu können, und als Dank in glückliche Gesichter zu blicken, ist unbezahlbar.“
Ulf, 31

„ Es ist schön, die spielerische Leichtigkeit zu entdecken und zu leben. In meiner Rolle als Mathilde (68, mit neuer Hüfte) ist mir wichtig: angeschlagen und zugleich neugierig, was das Leben bereit hält.“
Petra, 54

„Meine neue „Freundin“ habe ich lieb gewonnen. Sie durchbricht Schranken, motiviert und schenkt Freude.“
Ute, 48

„Für mich war es ein wunderbares Zusammenspiel zwischen meiner Partnerin, den Frauen im Wohnzimmer und mir. Dazu Schlagersingen – das drückte so viel Lebenslust aus. Ich will noch mehr Schlager singen und einbringen.“
Ursula, 71

„Es ist faszinierend, wie schnell man zu fremden Menschen positive Kontakte aufbauen kann.. Selbst wenn das Gespräch wegen Krankheit scheitert, strahlen die Augen und ein Lächeln ist auf den Lippen zu sehen.“
Susanne, 63

„In einer im Vorhinein als äußerst schwierig, herausfordernd eingeschätzten Situation (Besuch im Zimmer eines Wachkoma Patienten) konnte ich die ermutigende Erfahrung einer harmonisch-anregend-freudigen Begegnung (besonders mit der Ehefrau des Bewohners) machen.“
Alt! – na und? Der Clown weckt so viel versteckte Lebendigkeit!“
Bärbel 68

17. April 2011
Woche 7 mit Psalm 30: Gewande(l)t

Trauerkleidung ist schwarz. Sie anzuziehen stellt heraus. Und schützt. Alle sehen es: du bist in Trauer. Und man lässt dir deine Trauer. Weil du schwarz gewandet bist, darfst du matt sein, ohne Freude, weinen, zornig werden.
Was früher ein allgemein verbreitetes Ritual war, das Trauerjahr in Schwarz zu gehen, ist Ihnen vielleicht noch vertraut. Inzwischen wird es nicht mehr so streng angewendet. Ich weiß noch, wie eine Frau einmal sagte: “Manche ältere Frauen kamen aus dem Schwarz gar nicht mehr heraus.” Und wenn doch, dann war das ein riesiger Schritt. Für viele die trauern, sei es um einen Verlust an den Tod oder an das Leben, ist die Kleiderfrage nach wie vor ein Thema. Der Schritt aus der Trauerkleidung in die “normale” Alltagskleidung” ist ein Ritual, das oft sehr intensiv bedacht wird. Ist es Zeit sich dem Leben wieder zuzuwenden? Wende ich mich damit von dem Menschen ab, um den ich trauere?

Ich habe von einer befreundeten Trauerbegleiterin gelernt, dass der Weg der Trauer sehr unterschiedlich begangen wird, weil wir so unterschiedlich sind. Und dass es nicht darum gehen kann, den verlorenen Menschen von sich abzutrennen. Nein, eher ist es wie eine Melodie, die diesen Menschen ausgemacht hat und diese Melodie nehme ich nach und nach in meine eigene Lebensmelodie mit hinein. Etwas, was diese Person immer gesagt oder getan hat, etwas was ihr wichtig war oder ihr besonderer Beitrag zum Leben. Manchmal merken wir, wie etwas davon in unserem eigenen Leben, Sagen und Handeln auftaucht. (weiterlesen …)

14. April 2011
Clowns im Alternheim – Erster Kurs abgeschlossen!

ebz Clowns fürs Altenheim, Foto E. Ziegler

Hier sind sie – unsere ersten frischgebackenen Clowninnen und Clown, die wir für die Begegnung mit Menschen im Altenheim ausgebildet und auf den Weg gebracht haben! Der nächste Kurs beginnt am 18.-20.6.2012 und einen Schnuppertag gibt es am 20. April 2012. Bald mehr!

10. April 2011
7 Wochen mit Psalm 30: Auf dem Berg des Glaubens

Kaum hatte ich vergangene Woche über den verborgenen Gott geschrieben, schon schoben sich spektakuläre Nebelszenarien vor meinen “Hausberg”.
Hier ist der Vers, den ich letzte Woche noch umwandert habe:

Psalm 30, Vers 7-8: Ich aber sprach als es mir gut ging: Ich werde nimmermehr wanken. Denn, Herr, durch dein Wohlgefallen  hattest du mich auf einen hohen Fels gestellt.” (Luther-Übersetzung)
“Ich aber dachte in meiner Sorglosigkeit: nie werde ich wanken, niemals! Ewige, in deiner Gunst hast du meinem Berg Stärke verliehen.” (Bibel in gerechter Sprache)

Sie kennen das sicher auch: wenn es Ihnen gut geht, dann kann Sie nichts umwerfen. Sie wissen aber sicher auch aus Erfahrung, dass diese Gewissheit ab und an am seidenen Faden hängt. Nämlich dann, wenn die Nebel aufziehen. Davon hatten wir ja in letzter Zeit wieder einige.

Der Berg. Ich habe noch mal in der hebräischen Bibel nachgeschlagen: es ist wirklich “Har”, der Berg. Ich sage Ihnen gleich, warum mir das so wichtig war. Luther hat vielleicht Petrus/den Felsen im Sinn gehabt, die Stärke des Glaubens, denn darum geht es hier ja.
Aber mir fiel zuallererst dies ein: der Berg ist in der hebräischen Bibel ein Ort der Gottesbegegnung. (weiterlesen …)

8. April 2011
Menschen im Ruhestand: Erika Neubauer, 68 Jahre, “Neugier aufs Leben”

Erika Neubauer, 68 Jahre,  ist Mitglied unseres Fachbeirats im ebz. Sie steckt voller Energie und setzt sie in Projekten sowohl im Großen (BAGSO) wie im Kleinen (ihrer heimatlichen Kirchengemeinde) ein. Sie ermutigt mich in meiner Arbeit mit ihrem Enthusiasmus und Wissen rund um Arbeit mit Älteren und die generationenübergreifende Arbeit.

(Ehemaliger) Beruf: Diplom-Sozialwirt, in der Familienphase (3 Kinder) freiberufliche Leitung / Durchführung von Forschungsprojekten im Auftrag des BMFSFJ zu den Themenbereichen „Frau“ und „Familie“, ab 1991 – 2007 Geschäftsführerin der BAGSO, eines Dachverbandes von Senioren-Organisationen.

Ihr Lebensmotto: Wird schon klappen!

Wann/ woran haben Sie gemerkt, dass Sie älter werden?
Als Kurzsichtige kann ich in der Nähe die Buchstaben / das Nadelöhr immer schlechter erkennen, die Haare werden grau.

Was bedeutet Älterwerden für Sie?
Ein Lebensabschnitt, der zum menschlichen Dasein gehört, wenn man das Glück hat, älter zu werden.

Haben Sie ein Vorbild für Ihr Älterwerden? Inwiefern ist diese Person/sind diese Personen Vorbilder für Sie?
Ein Vorbild dafür ist meine Mutter, die trotz mehrjährigen Krebsleidens weiter leben wollte, und zwar aus Neugier, wie es in den Familien der Kinder und überhaupt weiter geht.
Weitere Vorbilder sind Frau Verhülsdonk sowie Frau Prof. Lehr, die dem Altern aktiv begegnen und sich durch ihre „Wehwehchen“ nicht davon abhalten lassen.

Sie sind im Ruhestand. Wie gestalten sie ihn? Was ist anders als vorher? Was blieb gleich?
Anders als früher (weiterlesen …)

6. April 2011
Magische Zahl 60: Wünsche, Werte, Weichen stellen für den Ruhestand

In letzter Zeit treffe ich vermehrt Männer so um die 60, denen ein gewisser Schmerz ins Gesicht geschrieben steht, wenn sie ihren 60. Geburtstag nahen sehen.
Es wundert mich nicht, denn mit der Zahl vor der Null ändert sich rund um dieses Datum wieder etwas Entscheidendes. Die Fremdbestimmung, aber auch die Wertschätzung durch die Arbeit tritt in den Hintergrund. Vor Augen steht ein neuer Lebensabschnitt und Gestaltungsspielraum von ungefähr 15 – 20 Jahren, in dem man es mehr oder weniger selbst in der Hand hat, ob man ihn als Abstellgleis oder große Freiheit erlebt.

Der Ruhestand ist auch nicht mehr, was er einmal war… Als er erfunden wurde, 1889, wurden nur Zuschüsse gezahlt, um „Leistungs-und Lohneinbußen der Arbeiter mit Beginn des 70. Lebensjahres zu kompensieren.“ So, unser Fachbeiratsmitglied Dr. Christian Mulia in seiner Dissertation „Perspektiven der kirchlichen Altenbildung“, die in  Kürze veröffentlicht wird.  Er schreibt weiter: „Leitbild bleibt im ausgehenden 19. Jh. der ´geglückte´ Lebenslauf, bei dem der Mensch bis zum Ende seines Lebens arbeitet, bis er erkrankt und stirbt.“

Das ändert sich durch die Wirtschaftskrise Anfang des 20. Jahrhunderts, als den jungen Arbeitern der Vorzug gegeben wird. In der Zeit des Nationalsozialismus wird ein ideologischer Überbau konstruiert, um „den Arbeitsmarkt zugunsten von jungen, potentiellen Familienvätern zu entlasten. `Der Lebensfeierabend eines Menschen stellt etwas Feierliches, Ruhiges, (weiterlesen …)

3. April 2011
Woche 4 mit Psalm 30: Verborgener Gott

Eigentlich wäre in der Reihenfolge von Psalm 30 heute ein Berg dran (V7-8). Das schaffe ich aber nicht. Der Berg meiner Arbeit in Vorbereitung auf den heutigen Tag der offenen Tür war so groß … Aber mir ging bei aller Lebensfülle, die uns jetzt in der Natur umgibt und bei all der Fülle, die sich im ebz gerade entfaltet dieses Bild aus St. Peter in Köln nicht aus dem Kopf. Und nun entdecke ich in Vers 8 eine Verbindung zu diesem Bild:

Psalm 30, Vers 8:
Als du dein Antlitz verbargst, erschrak ich. ( Luther – Übersetzung)
Als du dein Gesicht verhülltest, wurde ich schreckensstarr. (Bibel in gerechter Sprache)

Ich trat in diese Kirche und sie war – bis auf die Stühle – verhüllt. Alle bunten Glasfenster, alle Altäre, alle Statuen, sogar das Kreuz, das der Messdiener (mit seinen schwarzweißkarierten Turnschuhen) zur Messe hereintrug, waren mit weißem Leinen verhüllt. Nur die (weiterlesen …)