Blog für die zweite Lebenshälfte

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Archiv für Juli, 2011

28. Juli 2011
Der alte König – ein achtsames Buch über Menschen und Demenz

Buchbesprechung zu Arno Geiger, Der alte König in seinem Exil

“Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen”, sagte einmal eine Freundin zu mir. Und nachdem ich dieses Buch gelesen habe, muss ich sagen: “Es braucht auch ein ganzes Dorf um einen alten Menschen (mit Demenz) bis zum Ende zu begleiten.”
Warum setze ich “mit Demenz” in Klammern? Weil der Mensch im Vordergrund steht. Die Person, die Arno Geigers Vater jetzt ist, mit aller Würde, die einem Menschen bis zum Lebensende zusteht. Und auch wenn Arno Geiger von der Krankheit Demenz spricht, so gibt er dem Phänomen in den Schilderungen der Erlebnisse mit seinem Vater doch eine wesentlich weichere Seite. So lernt er – und wir mit ihm – viel darüber, dass ein Leben immer einen Wert hat.

Eigentlich sollten alle dieses Buch lesen. Dann könnten wir einen Großteil der Lektüre über Validation, Aktivierung, Pflegenetzwerke, Verarbeitung des Erlebnisses als Kind vom Vater nicht mehr erkannt zu werden etc. beiseite legen. In seiner Erfahrung war die Zeit besonders schwierig , bevor allen Kindern und Nachbarn klar war, dass sich der Vater wegen der Demenz anders oder genauso wie früher nur schlimmer verhält. Rätselhafte skurrile Dickköpfigkeiten, nervende Tatenlosigkeit und die Frustration darüber lösen sich erst dann auf, als (weiterlesen …)

27. Juli 2011
Sterben ist Mist – aber zuvor eine Riesenportion Vanilleeis

Buchbesprechung zu Gabriele Wohmann, Sterben ist Mist, der Tod aber schön. Träume vom Himmel, Kreuz Verlag

Wie Sie inzwischen sicher vermutet haben, hatte ich im Urlaub jede Menge Zeit zum Lesen. Ganz nach hinten auf dem Stapel rutschte “Sterben ist Mist”.  Im Urlaub mag man ja auch mal etwas hiesiger leben. Wobei – vom Himmel träumen, gelingt ja gerade dann, wenn man im warmen Sand am rauschenden Meer liegt. Bilder für den Himmel finden, für das, was den Gedanken an den Tod erträglicher macht. Da wir nicht wissen, was kommt, haben Menschen schon immer in Bildern an das Danach gedacht. Paulus z.B. erzählt vom Jüngsten Gericht (im Mittelalter ein beliebtes Mittel um Menschen in Angst und Zahlbereitschaft zu halten), aber auch von dem Weizenkorn, das in die Erde fällt.
Der Schriftsteller und Theologe Georg Magirius war auf der Suche nach zeitgenössischen Sprach-Bildern für das Jenseits. Bei Gabriele Wohmann wurde er fündig. Die 1932 geborene Schriftstellerin (eine Pfarrerstochter mit positiven Erfahrungen) hat in ihren Romanen und Erzählungen immer wieder religiöse Bezüge hergestellt. Magirius hat sie aufgespürt und daraus Gesprächsanlässe mit Frau Womann geschaffen. Diese Texte sind der eigentliche Schatz des Buches.

Sterben ist wirklich Mist
Ich war (und bin) vom Titel  begeistert. Sterben ist Mist. So hat es in meiner Gegenwart noch niemand formuliert, aber so empfinden es doch viele. Ich auch. Und warum? Weil (weiterlesen …)

25. Juli 2011
Der Sommer mit Frauen – ein 50-jährige findet sich neu

Wenn schon Sommer ohne Sonne, dann wenigstens Sommer mit guter Lektüre: “Der Sommer ohne Männer” von Siri Hustvet ( rowohlt, in jedem Bestsellerregal berechtigterweise zu finden) ist mein Urlaubslektüre – Favorit! Ich empfehle ihn gleich noch allen Lesegruppen – literarisch hochwertig, dennoch bestens lesbar und ein Einstieg in die eigenen Biografien und Lebenswerte.

Mia Fredricksen, 55 Jahre, verbringt den Sommer in Bonden. Raus aus New York, wo ihr etwas älterer Gatte gerade eine Pause von ihrer 30-jährigen Ehe macht. Die “Pause” ist Französin, jung und arbeitet mit Boris im Labor. Mias Welt zerbricht. Ihre “Hirnscherben” werden zunächst in der Psychiatrie (dies nur im kurzen Rückblick) und dann in jenem Sommer ohne Mann sortiert. Und wieder – und neu zusammengesetzt.
Hier in dem sonnigen Kleinstädtchen freunden wir uns mit Mia an, die uns in ihre kleine Welt der Generationen mit hinein nimmt.  Da sind die 87 – jährige Mutter und ihre Freundinnen vom Lesezirkel im Seniorenheim. Die junge Nachbarin mit bockigem Kleinkind, Säugling und Panik schiebendem Ehemann. Sieben weibliche Teenies, mit denen die Lyrikprofessorin einen Sommerkurs in “Poesie” durchführt. Und derweil ihre eigene Jugend erinnernd durchlebt.

Wer bin ich mit Mitte 50 ?
Anrührend, liebevoll, geistreich und voller Humor begleitet die Ich-Erzählerin die Generationen und sich selbst durch die alltäglichen Krisen der Selbstfindung, die bis ins hohe Alter nicht aufhören. Blitzlichtartig reist sie durch die eigenen entscheidenden Lebensphasen und die Leserin mit ihr. Und so ist sie in ihrem kleinen Sommerleben alles: (weiterlesen …)

22. Juli 2011
Von Wolke 9 gestürzt – deutsche Gründlichkeit?

Gestern lief der Film “Wolke 9″ im ARD Sommerkino. Ein Film über die Liebe und die Sexualität im Alter. Seit er vor ca. 3 Jahren erschien, bewegt und erhitzt er die Gemüter. Auf dem Weg zu einem vielseitigen Altersbild ist die Arbeit von Andreas Dresen ein Meilenstein. Denn: ja, auch alte Menschen verlieben sich Hals über Kopf, begehren einander und tun, was Verliebte jeden Alters tun. Inge, einigermaßen zufrieden verheiratet mit Karl, lernt Werner kennen und verliebt sich Hals über Kopf. Was folgt ist ein Auf und Ab der Gefühle auf der Leinwand und bei den Zuschauern.

Mich bewegt die Selbstverständlichkeit, mit der Ursula Werner, Horst Rehberg den Blick auf die Nacktheit ihrer gealterten Körper zulassen. Inge und Werner lieben sich so wie sie sind, mit allen Falten und Narben, die das Leben in ihre Körper eingeschrieben hat.
Nackt sind auch die Seelen, was die Schauspielerin Ursula Werner in der Darstellung viel schwieriger empfand. Denn mit der neuen Liebe (weiterlesen …)

19. Juli 2011
Ruhestand und andere Unannehmlichkeiten

Buchbesprechung “Alte Liebe” von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder

So alt sind sie gar nicht. Lore, Mitte 60, kurz vor dem ungewollten Ruhestand. Harry, etwas jünger, schon seit ein paar Jahren im Ruhestand, mit großem Genuss Neugärtner. Als Alt – 68er Paar haben sie ihre bewegte Geschichte miteinander.

So. Jetzt habe ich  zwei Möglichkeiten in die Materie einzusteigen. Sie, liebe Leserin, lieber Leser haben die Wahl:
Anfangsvariante Nr.1: Warnung!
Wenn Sie sich als Paar rund um den Ruhestand befinden und lieber in Ruhe weiterträumen wollen, sollten Sie die Finger von diesem Buch lassen!
Anfangsvariante Nr. 2: Empfehlung!
Wenn Sie sich als Paar rund um den Ruhestand befnden und nicht wissen, wie Sie all die heißen Eisen ansprechen sollen, die Ihnen gerade durch den Kopf gehen, empfehle ich Ihnen dieses Buch als Einstiegslektüre.

Gemeinsam geht´s weiter:
Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, bringen unterhaltsam alle Themen auf den Tisch, die ein Paar rund um den Ruhestand bewegen: Garten, Freunde, Genuss, Reisen, alte Eltern, Enkel, Verhältnis zum Kind, Umgang mit schlechten Nachrichten und vor allem: Was will ich, wer bin ich (noch) für dich? Was machen wir gemeinsam und wo lassen wir uns wie wir sind – und in Ruhe.
Innere Monologe von Lore und Harry wechseln mit Dialogen der beiden.
Lore, Bibliothekarin, kurz vor dem höchst ungewollten Ruhestand (niemand kann das, was sie macht, so gut wie sie!!!) und Harry, (weiterlesen …)

15. Juli 2011
Silberschmiede: Ideen rund um Lebenskunst und Lebensglück

Mein Kollege Hartmut Wolter entwickelt zurzeit ein regionales Fortbildungsangebot für alle, die mit älteren Menschen in Gruppen arbeiten, oder vielleicht selbst eine Gruppe aufmachen möchten. Hier eine Kostprobe mit Material auf unserer Webseite. Hartmut Wolter schreibt:

„Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“ – Von Lebenskunst und Lebensglück
Kennen Sie Lebenskünstler? Oder sind Sie vielleicht selbst ein Lebenskünstler oder eine Lebenskünstlerin? Schauen Sie doch einmal auf den/die Lebenskünstler/in in Ihnen! Was macht der/die Lebenskünstler/in? Was ist das Besondere an der Lebenskunst? Ist es nicht ein Segen, Lebenskünstler oder Lebenskünstlerin zu sein, Lebensglück erleben zu können, immer Lust auf Neues zu haben?

So oder so ähnlich könnte der Einstieg in ein Gruppenangebot in Ihrer Gemeinde sein. Wie es weiter gehen kann finden Sie bei den „Tipps für die Silberschmiede“.
Viel Glück und Gottes Segen!

Unsere nächste Fortbildung beginnt im Oktober: Gruppenarbeit leicht gemacht

14. Juli 2011
Patchwork – Ausstellung im ebz

Quilt "Leben", Renate Schlag, Gabriele Völler

Zum Staunen. Winzige Stoffquadrate, in (für das Laienauge) wilden Stoffkombinationen aneinandergereiht. Darüber in feinen Linien genäht/gequiltet: Wörter, Blüten, Muster. Wir setzen die Sommertradition fort: Gabriele Völler und weitere Stoffkünstlerinnen zeigen ihre Patchworkarbeiten  und Quilte. Diesmal zum Thema “Gelb”. Viele große Quilte, filigrane und farbstarke Blumen, faszinierende Muster.

Wir eröffnen am Dienstag, den 19. Juli um 15 Uhr. Die Künstlerin Hilde Heyduck-Huth wird dazu Haikus lesen – kleine Wort-Farb-Bilder. Frau Völler geht mit Ihnen durch die Ausstellung und es gibt Kaffee und Kuchen…
Zu sehen sind die Arbeiten ab sofort bis zum 30. September 2011, i.d.R. 9-16 Uhr (sonntags bis 15 Uhr). Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, dass geöffnet ist: 06052-91570

13. Juli 2011
Als Paar im Ruhestand

Der Ruhestand – einerseits freut man sich darauf, doch es gibt auch viele Fragen. Man betritt ein neues Lebensfeld, das seine ganz eigenen Aufgaben mit sich bringt. Auch als Paar muss man sich – nach der langen Zeit, in der andere Themen wie Kinder, Berufstätigkeit und Engagement z.B. in Vereinen, das gemeinsame Leben als Paar bestimmt haben, neu „sortieren“.
Mein Lieblingszitat aus Loriots Film „Papa ante portas“ bringt es auf den spitzen Punkt:

Treffen im Wohnzimmer:
Sie „Was machst du denn hier?“
Er: „Ich wohne hier.“
Sie: „Aber doch nicht um diese Uhrzeit!“

Also auch eine Zeit der Herausforderung und Fragen: Was soll bleiben, wie es war? Welche alten Träume und überraschenden Ideen könn(t)en jetzt in den Alltag geholt und neu überlegt werden?  Was machen wir gemeinsam, was allein oder mit anderen?
Wir möchten sie ermutigen und auf kreative Art und Weise unterstützen, miteinander ins Gespräch zu kommen, als Paar und mit anderen Frauen und Männern in der gleichen Lebenssituation.
Zur Vorbereitung, aber auch wenn Sie schon mitten drin im Ruhestand sind, laden wir Sie ein zu einem Wochenende

Als Paar im Ruhestand
9.-11. September 2011
mit Erwin Ruhnau (Theologe und Mediator) und Brigitta Leifert (Dipl.Päd, Mediatorin)

Beginn: Freitag, 9. September, 18 Uhr mit dem Abendessen
Ende: Sonntag, 11. September gegen 13 Uhr mit dem Mittagessen

Der Teilnahmebeitrag für Sie beide im Doppelzimmer beträgt 272 €. Darin enthalten sind das Seminar und Vollverpflegung. Wir würden uns freuen, Sie begrüßen zu können. So ein Wochenende ist eine gute Gelegenheit, das Gespräch zu beginnen …

Literaturtipp:
Im Urlaub las ich das Buch „Alte Liebe“ von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder. Wir folgen hier einem Paar – er schon im Ruhestand, sie kurz davor – die in inneren Monologen und Dialogen um viele Themen kreisen, über die zu sprechen ihnen schwer fällt. Die Autoren tun dies in humorvoller aber auch eindringlicher Weise.

Und das Bild? Hat Ilona Nolte gemalt, mit dem wunderbaren Titel Lebenslust II und Sie können es bei uns bewundern. Wir haben es gekauft! Mehr über Frau Noltes Bilder finden Sie unter der Kategorie Austellungen.

13. Juli 2011
Unsere Bildungsarbeit wird zertifiziert

Sie können nun Qualifizierungsschecks bei uns einlösen!

Bei 30 Grad im Landeskirchenamt in Kassel haben wir unser Audit genauso engagiert hingelegt, wie wir die zwei Jahre davor darauf hin arbeiteten: wir werden in Kürze unser Zertifikat von Pro CumCert Stufe A für unsere Bildungsarbeit in den Händen halten. Hier auf dem Bild halten wir das Qualitätshandbuch, die sichtbare Frucht unserer Arbeit. Wir, das sind das Referat Erwachsenenbildung der EKKW, mit dem das ebz im Verbund zusammenarbeitet, beim Audit vertreten durch Annette Weiß, Frauenarbeit, dahinter unser Berater Andreas Seiverth (DEAE), Brigitta Leifert, Familienarbeit, Martina Gnadt, Leiterin des referats, Hartmut Wolter, Seniorenarbeit und Annegret Zander, ebz.

Und was haben Sie davon? Natürlich weiterhin und in noch besserer Weise Seminare und Fortbildungen, die den ganzen Menschen meinen, Sie mit anderen interessanten Menschen in einen lebendigen Austausch über Fragen des Lebens und Glaubens bringen und inspiriert in ihren Alltag zurückkehren lassen.