Blog für die zweite Lebenshälfte

Blog für die zweite Lebenshälfte

Archiv für August, 2011

31. August 2011
Selbstanzeige: Bin in der Altersbilderfalle gelandet

Wir haben heute neue Fotos gemacht. Demnächst werden unsere Webseite und das Hausprospekt ein neues Gesicht bekommen. Das machen wir, damit Sie zu uns ins ebz kommen.
Und so bin ich in der “Altersbilderfalle” gelandet: Wir haben gerade eine Gruppe mit Frauen im Alter ab Mitte 70 im Haus. Und eine Gruppe mit Männern und Frauen zwischen 30 und Mitte 50. Für die Fotos habe ich die zweite Gruppe gebeten zu “modeln”, also z.B. in unserem Café einen Kaffee zu trinken und sich dabei fotografieren zu lassen. Weil ich dachte: wenn ich die anderen Damen nehme, die mit den silbernen Dauerwellen, dem Rollator und dem wirklich exquisiten Humor, dann kommen Sie, liebe Leserin, lieber Leser vielleicht nicht hierher, weil Sie vielleicht denken “Na sooo alt bin ich ja nicht, dass ich daaaa schon hin müsste.”  Und dann hätten Sie das ja völlig falsch verstanden!
Ich will ja nichts anderes, als Ihnen das Älterwerden schmackhaft zu machen. Ich bin nämlich wirklich davon begeistert, ich tu nicht nur so. Ich bin fasziniert, wie unterschiedlich man älter werden kann. Ich tüftele daran, wie es für mich sein soll. Jetzt schon. Echt. Mit fast 45. Nein, nicht wundern, schreien, wegklicken, kichern, doch noch nen Senioren-Witz reißen.
Ich hab ja all solche Reaktionen schon erlebt.

Da war ich dankbar über die Rückmeldung einer Blogleserin, die schrieb: ” Ihre Angebote haben mir imponiert und mich überrascht, weil sie so voller Leben und kreativ klingen.”  Gott sei Dank, eine hat uns verstanden.

Wenn ich also in dieser verflixten Falle hocke, dann tu ich das nur für Sie. Aber ich will hier raus und gemütlich mit den alten Ladies und Ihnen im ebz Café einen Kaffee trinken. Und so richtig mal lossreden, wie das so ist, wenn die Haut am Hals anfängt zu hängen. Und wie Sie das so sehen mit der Liebe. Und Gott. Und der Endlichkeit und der Kreativität… Ich erinnere nur an Ilona Noltes Kaffeedamen….

30. August 2011
Menschen im Portrait: Märchen-Glück – Reinhilde (51 J.) und Ulrich Freund (75 J.)

Reinhilde Freund, 51 Jahre, ist Erzieherin und Märchenerzählerin. Sie ist in zweiter Ehe verheiratet mit Ulrich Freund, 75 Jahre, Dipl.Soz.Päd.und Psychotherapeut, Referent der Europäischen Märchengesellschaft. Beide erzählen auf faszinierende Art Märchen, ganz unterschiedlich, und so, dass man Lust bekommt mehr zu hören und selbst zu erzählen. In unserer letztjährigen Weihnachtswerkstatt gelang es ihnen Alt und Jung für Märchen zu begeistern und wir alle hhörten andächtig zu als Großvater, Mutter und Enkel-Kind Märchen erzählten. Sie verfühen über ein tiefes lebensnahes Wissen über Märchen und geben dieses Wissen mit großer HIngabe weiter.  Am 14. September können Sie sie bei unserem Tagesseminar “Märchen verstehen” erleben, und das “Märchen erzählen” lernen Sie am  5. Oktober.

Kontakt: reinhilde.freund@online.de

Kontakt Ulrich Freund: jederzeit,am besten über Fax:06052/82846

Ihr Lebensmotto
Reinhilde Freund
Es gibt keinen Weg zum Glück.Glücklichsein ist der Weg.(Buddha)

Ulrich Freund
Meine Lebenszeit hat Grenzen.

Ihr Lebensgefühl/ vielleicht gibt es ein Bild dafür?
U.F.: Der Sensenmann
R.F: Die Sterntaler

In der zweiten Lebenshälfte geschieht viel in der ganzen Spanne zwischen Abschied und Neubeginn. Was bedeutet Älterwerden für Sie? Verändert sich etwas? Wie gehen Sie damit um?
Reinhilde Freund
Mich jeden Tag darin zu üben Vergangenes loszulassen,das Unvermeidbare anzunehmen und dabei nicht zu hadern, sondern milde zu sein. Gerade auch mit mir selbst..

Ulrich Freund
Wenn Sie anfangen,eine unfreundliche alte Hexe zu werden, wird das Leben schwierig.“

Haben Sie ein Vorbild für Ihr Älterwerden? (weiterlesen …)

25. August 2011
Nächste Langzeitfortbildung: Begegnungsclown/-clownin im Altenheim startet im Juni 2012

Nachdem so viele neugierige Menschen nach unserer nächsten Fortbildung zur Clownin/ zum Clown im Altenheim gefragt haben, hier schon mal die Ausschreibung samt Terminen (auch zum “Schnuppern”) als Auszug aus unserem Jahresprogramm. Unter der Kategorie “Clown/Clownin” Finden Sie ein paar Spuren aus unserer ersten Runde. Inwischen sind die Clowns weitgehend ins kalte Wasser gesprungen und hatten viel Spaß – genauso wie die Menschen, die sie besucht haben…

Kontakt: Annegret Zander – ebz.badorb@ekkw.de

Rosinchen mit ihrer roten Nase begrüßt Maria (93): „Du bist so eine Süße!“ Und Maria sagt: „Uiuiuiui so schön, dass du da bist“. Mit einem Stückchen Schokolade, ein paar Tropfen 4711 oder Lavendelöl, Liedern und fröhlichem Schlamassel berührt sie aber auch Menschen, die sich zurück gezogen haben.
Die Clownin ist frei von Konventionen. Sie begegnet den Menschen direkt und voller Gefühl. Wo wir freundlich lächeln, tanzt sie jubelnd um ihr Gegenüber. Wo jemand klagt, kann sie aus vollem Herzen mitlamentieren.
Der Clown ist nicht perfekt. Vieles geht ihm daneben, er scheitert und versucht es trotzdem unermüdlich aufs Neue. Das erleichtert und inspiriert nicht nur die Bewohnerinnen: auch Angehörige und Pflegende entspannen sich durch seinen Besuch. Das Besondere an den Reaktionen der Menschen im Altenheim ist, dass sie oft ebenso frei sind von Konventionen und ebenso unmittelbar reagieren.

Dass Humor eine hervorragende Medizin ist, haben bereits die Klinikclowns bewiesen. Im Altenheim kommen noch weitere Aspekte hinzu: die Gero-Clowns erfahren in vorbereitenden Gesprächen etwas über den biografischen Hintergrund der einzelnen Menschen, die sie besuchen und können so durch die Wahl der Lieder und der Requisiten, die im „Clownskoffer“ mitgebracht werden, ihre spielerische Begegnung sehr gut mit den Lebenserinnerungen der Menschen verknüpfen und diese wieder aufleuchten lassen.

In der ebz-Ausbildung nehmen wir die spirituelle Ebene hinzu. Lieder (weiterlesen …)

24. August 2011
Reife Zähne

Ehrlich. Jemand hat mir die Zahnpasta mitgebracht. „40 plus“ steht drauf. Schmeckt frisch. Nun lese ich beim Schrubben im Kleingedruckten: „für reife Zähne“. Also!?
Reife Pflaumen? Lecker. Reife Melonen? Nur so. Aber reife Zähne? Ich bin ratlos. Später blättere ich durch eine Zeitschrift für die Frau ab 40. In jeder zweiten Anzeige finde ich Hautpflege für die reife Haut.
Wenn ich mir meine Gesichtshaut so ansehe, geht die schon auf „überreif“ zu. Seit einiger Zeit schleichen sich spätpubertäre Pickel ein und die dunklen Punkte sind schon lange nicht mehr nur Sommersprossen. „Frauen werden älter – Männer werden reifer“ ist also überholt. Wir reifen jetzt allesamt mit Haut und Haar (und Zähnen).
Zurück in die Obstwelt. Erinnern Sie sich an die Zeit, als Äpfel noch schrumpeln durften? Im Keller eingelagert, als Vitaminbrücke über den Winter. Oder die ersten Bioäpfel in den 80ern? Na ja, die kamen nicht so gut an. Waren ziemlich schrumpelig und daher unbeliebt. Weshalb die Äpfel in den Bioregalen heute kaum noch Runzeln zeigen.
Also der Kellerapfel. Schmeckt noch. Kann gut verbacken und zu Mus gekocht werden. Apfelpfannkuchen – herrlich!
Völlig konsequent ziert die erste  Ausgabe der Berliner Zeitschrift für die zweite Lebenshälfte „Passagen“ ein schrumpeliger Apfel. Wunderschön.

Aber, haben Sie schon mal runzlige Zähne gesehen?

23. August 2011
Das grüne Sofa – Marburg: Treffpunkt für Menschen zwischen 40 und 60

(Gastbeitrag von Hartmut Wolter, zuständig für Begleitung von Kirchengemeinden der EKKW im Bereich der Arbeit mit Menschen in der zweiten Lebenshälfte, und Kollege im ebz)

Kennen Sie noch die alten Plüschsofas, vielleicht sogar in grün? Oder haben Sie sogar so ein Sofa? Auf jeden Fall steht in der Brücker Mühle in Amöneburg DAS Grüne Sofa, ein altes grünes Sofa, für das es ab dem 25. August 2011, 20:00 Uhr, eine neue Verwendung gibt.
Pfarrerin Heike Wilhelm und eine Gruppe freiwillig Engagierter aus Kirchhain möchten gern rund um das Grüne Sofa ein neues Angebot für Menschen in der Lebensmitte schaffen. Dazu laden sie Menschen ab 40 ein, die sich durch die „üblichen“ Angebote in den Gemeindehäusern nicht angesprochen fühlen. Die historische Brücker Mühle ist liebevoll ausgebaut, mit einem kleinen Restaurant, in dem sich Stühle, Tische und das Grüne Sofa in einem Raum mit der restaurierten gusseisernen Wasserpumpe und einem Bio-Laden befinden – „man trifft sich in der Brücker Mühle“ wie es im Flyer der Mühle heißt.
Ein neuer Treffpunkt soll das „Grüne Sofa“ werden. In der Auftaktveranstaltung geht es um Hermann Hesse und –wie passend- „… jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …“. An diesem Abend werden Abschiede, Übergänge und Neuanfänge aus der Lebensmitte heraus betrachtet. Als Referent für die Impulse mit anschließenden offenen Gesprächsrunden ist Hartmut Wolter zu Gast in Amöneburg.
Wir finden, dass die Überlegungen, die hinter dem neuen Angebot „Das Grüne Sofa“ stehen, eine Erwähnung in diesem Newsletter verdienen! Es sollte noch viel mehr Veranstaltungen geben, die es Menschen im Alter zwischen 40 bis 60 Jahren außerhalb des Gemeindehauses ermöglicht sich zu treffen, um sich über Lebensthemen auszutauschen. Außerhalb des Gemeindehauses heißt „neben“ den Angeboten im Gemeindehaus. Damit ist die Erwartung verbunden, dass an einen Ort wie die Brücker Mühle auch Menschen kommen, die in ihrer aktuellen Lebensphase nicht so viel Kontakt zur Kirche haben.
Früher war ein Platz auf dem Sofa an sich etwas Besonderes. Wo sind heute solche „besonderen Orte“, an denen man sich besonders wohlfühlt, in Ihrer Umgebung? Könnte man da auch etwas Neues anfangen?
Kontakt für Veranstaltung und Idee:
Pfarrerin Heike Wilhelm, Pfarramt Kirchhain, Tel. 06422-2027, heike.wilhelm@ekkw.de

22. August 2011
Portrait: Kerstin Kaufmann-Yu, 53 Jahre – “intensiver leben”

Kerstin Kaufmann-Yu, 53 Jahre ist Physiotherapeutin mit eigener Praxis hier im ebz. Sie bietet schon seit 9 Jahren kompetent und ganzheitlich Massagen in unserem Haus an. Vor einem Jahr wagte sie den Schritt in die Selbständigkeit. Sie hat 3 erwachsene Töchter.
Hobbys: Singen, Tanzen, Reisen

Ihre Webseite

Dein Lebensmotto: Sei glücklich und mache glücklich.

Dein Lebensgefühl/ vielleicht gibt es ein Bild dafür?
Ich fühle mich beschützt, getragen und geführt.

In der zweiten Lebenshälfte geschieht viel in der ganzen Spanne zwischen Abschied und Neubeginn. Was bedeutet Älterwerden für Dich? Verändert sich etwas? Wie gehst du damit um?
Älterwerden bedeutet für mich, bewusstes Loslassen von überflüssigen Dingen, damit meine ich auch belastende Charaktereigenschaften oder Verhaltensweisen und Situationen.
Auftretende Ermüdungserscheinungen erinnern mich vermehrt daran, dass meine Zeitspanne in diesem Leben begrenzt ist. So versuche ich, noch wesentlicher zu werden, d.h. das, was ich mitgebracht habe an Gaben und Talenten, lebe ich noch intensiver und bewusster aus und gebe es weiter.
Das, was ich noch vermisse, suche ich noch bewusster, um nicht am Ende bedauern  zu müssen „Hättest du mal……“
Ansonsten übe ich mich in Gelassenheit.

Hast du ein Vorbild für Dein Älterwerden?
Ja, einige, z.B. meine Nachbarn, die beide deutlich über 80 Jahre alt sind . Ich bewundere Ihre Zufriedenheit und die Erfüllung, die sie im Leben gefunden haben und noch immer finden mit beruflichem und gesellschaftlichem Engagement.
Du hast dich erst vor kurzem selbständig gemacht. Ich beobachte bei Menschen um die 50, (weiterlesen …)

21. August 2011
Sonntagshaiku: Anfangen

Stille Erwartung,
ein neuer Morgen beginnt,
ein neues Leben.

Brigitte Bee

19. August 2011
Wir Frauen in der Lebensmitte – Tagesseminar für Frauen in den Wechseljahren

Christina Tabbert-Trebing ist Wechseljahresberaterin in Büdingen. Sie begleitet Frauen in diesen teilweise turbulenten Wandeljahren individuell und in Gruppen. Sie war auch bei uns im ebz tätig, weshalb ich sie gerne weiterempfehle.

Am Samstag, 27. August, findet in Büdingen, An der Schildwache 11b, ein Tagesseminar für Frauen in den Wechseljahren statt.
Unter dem Motto „Wir Frauen in der Lebensmitte“ können Frauen Informationen zum Thema Wechseljahre aus erster Hand erhalten und sich darüber mit anderen Frauen austauschen. Außerdem geht es für jede Teilnehmerin darum, eine eigene Wertschätzung zu empfangen und an andere weiterzugeben und dabei eine herzliche Gemeinschaft zu erleben.

In diesem Seminar werden eine Reihe von Themen auf der Tagesordnung stehen, die Frauen in den Wechseljahren besonders beschäftigen. Wechseljahre sind mehr als ein hormoneller Umstellungsprozess, sie sind auch eine Zeit der vielen Abschiede und des Neubeginns. Diese Zeichen der Wechseljahre gilt es zu erkennen und sich der Frage zu stellen, was kann ich selbst für mein Wohlbefinden tun, wo finde ich sonst noch Hilfe? Wie kann ich durch natürliche Mittel, Anwendungen und Änderung der Lebensführung meine Probleme in den Griff bekommen? Es geht auch um die Fragen, wo stehe ich in meiner körperlichen und geistigen Lebenskurve? Wie kann ich mein eigenes Potenzial erkennen und nutzen? Wie kann ich mir ein soziales Netzwerk aufbauen und was heißt: „Gut für mich sorgen?“.

Das Seminar wird geleitet von Christina Tabbert-Trebing, Wechseljahresberaterin in Büdingen, und dauert von 9 Uhr bis 15.30 Uhr. Anmeldungen und Fragen unter Telefon (06042) 956614 oder unter  E-Mail christina.tabbert@t-online.de.

Frau Tabbert-Trebing kann auch für Vorträge und Workshops angefragt werden.

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18. August 2011
Freiwillige Seniorenbegleiter/innen gesucht! – Kostenlose Fortbildung im ebz für Altkreis Gelnhausen

 Sie hätten Lust, ein klein wenig Ihrer Zeit einem alten Menschen zu schenken? Sie würden sich aber gerne sicherer fühlen im Umgang mit Älteren? Dann ist vielleicht unsere Qualifizierung, die wir hier im ebz ab September anbieten, genau das richtige für Sie! Unter dem Motto „Gemeinsam mit anderen für andere“ können sich Männer und Frauen aus dem Altkreis Gelnhausen, Rodenbach und Langenselbold kostenlos zum/zur „Freiwilligen Seniorenbegleiter/in“ fortbilden lassen.

Bei der freiwilligen Arbeit geht es nicht um pflegerische Tätigkeiten. Vielmehr soll durch die Seniorenbegleitung die Situation älterer Mitbürger durch regelmäßige Kontakte, persönliche Zuwendung und Nähe verbessert werden. Das kann sehr unterschiedlich aussehen: vom Vorlesen, Zuhören oder Spazieren gehen bis hin zu praktischen Hilfen wie Tipps für die Benutzung eines Computers oder die Unterstützung bei einem Behördengang.
Im Kurs geht es ganz praxisnah um Gesprächsführung, rechtliche und soziale Grundlagen, Gesundheit, Tagesgestaltung, Spiritualität und Einblicke in die regionalen Altenhilfestrukturen.  Besonders hilfreich fanden die Teilnehmenden früherer Qualifizierungen den Austausch, der auch nach Beendigung des Kurses weiter geführt wird.  Sie alle sagten, dass sie sich nun sicherer fühlten und vor allem selbst weniger Angst vor dem Älterwerden haben.

Interessierte sind zu einer Infoveranstaltung am 1. September um 16 Uhr im ebz eingeladen.

Der Kurs findet in der Zeit vom 29.9. bis 8.12. immer donnerstags in der Zeit von 16:00 – 18:30 Uhr statt sowie an zwei Samstagen (9:30 – 16:00 Uhr). Ute Schenk-Fischer  begleitet während und nach dem Kurs die Freiwilligen und schult sie zusammen mit erfahrenen Fachleuten. Anschließend erfolgen Hospitationen in verschiedenen Feldern der Altenarbeit.

Kontakt
Information und Anmeldung bei der Kursleiterin Ute Schenk-Fischer im ebz Bad Orb. Tel: 06051-16931.

Ort: ebz, Würzburger Straße 13, Bad Orb

17. August 2011
Umzug Teil 2: Ausmisten – Erinnerungen gehen auf Wanderschaft

In meinen Umfeld wird zurzeit heftig ausgemistet. Frau Mertin zum Beispiel. Die jetzt ihr Haus verkauft hat und in eine wunderschöne Wohnung im Betreuten Wohnen zieht. (s. meinen Beitrag vom 15.8.) Leider ohne Keller. Auch kein Dachboden.  Und nun wird sortiert. Da taucht aus allen Ecken und Winkeln die Vergangenheit noch einmal auf. Das Gewürzschränkchen aus der ersten eigenen Küche in lindgrün von 1958.  Ein Regal aus der Ausbildungszeit, das von Keller zu Keller mitwanderte. Die Sammeltassen und die von der Mutter handbestickte Aussteuerwäsche (nie benutzt). Bücher, Bücher, Bücher. Alte Fotos. Geschenke. Eine handgehäkelte Tischdecke – war ein Geschenk. Einweckgläser. Die alte Flöte von der Tante.  Die erste Polstergarnitur, die im Keller für sich hin muffelt.

Wohin damit? Frau Mertin ist erleichtert über jedes Stück, das einen neuen Besitzer findet. Ganz gleich, wie vergilbt die Seiten: jedes Büchlein hat eine Geschichte. Ganz gleich wie abgeschlagen am Tellerrand, dieses Service hat unzählige Familienfeiern begleitet.

Eine Bekannte Ende 30, die gerade mit ihrem jüngst angetrauten Mann vor der Aufgabe steht, aus zwei Wohnungen in eine (verdammt kleine, aber irgendwie genau richtige) Wohnung zu ziehen, hat inzwischen folgende Methode entwickelt: Aus dem Buch mit der Widmung, reißt sie die Widmung. Denn die war das eigentlich Wichtige an dem Buch. Aus dem anderen Buch schreibt sie den Satz, der damals für sie so bedeutend war. Und beim Geschirr haben alle “keine Lieblingstassen” leider verloren.

Umzüge sind immer wieder eine Vorübung zum Großen Abschied. Und auch wenn andere denken ” Meine Güte, das olle abgewetzte Heftchen”, so steckt doch ein Teil meines Lebens genau in diesen Seiten, die mir einmal so wichtig waren.

Frau Mertin verteilt ihre Habe. Die Putzfrau kriegt alles was aus Holz ist,  Freunde, Verwandte, Nachbarinnen, alle werden bedacht. Ich habe das Schränkchen von 1958 bekommen. Ich habe es eben geschrubbt. Es riecht noch nach Werkzeugkeller. Ich hänge es in meiner Küche auf. Passt großartig. Ich habe auch die Sammeltassen mit dem filigranen Goldrand bekommen. Mein Kind hat es gleich zum Kaffeeklatsch Spielen ausgeliehen. Was war das Wasser aus der Blümchentasse lecker. Bei der Gelegenheit konnte ich gleich mal erzählen, was früher ein “Blümchenkaffee” war.

Vielleicht wird es manchmal Zeit, ein paar – oder sogar viele Erinnerungen auf diese Weise auf Wanderschaft zu schicken. Im Keller vergammeln sie nur.