Blog für die zweite Lebenshälfte

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Archiv für August, 2012

25. August 2012
Getrennte Schlafzimmer?!

Wir zeigen ja gerade diese Ausstellung “Achtung Liebe!” . Das ganze Haus voller küssender, streichelnder, lachender alter Paare. Es wird Zeit, Ihnen die Risiken und Nebenwirkungen der Ausstellung zu schildern. Für den Fall, dass Sie sich die Fotografien von Winfried Eberhard noch ansehen möchten.

Heute eine Nebenwirkung. Sie hat mit Schlafzimmern zu tun. Ich hole erst mal etwas weiter aus:
Im Umfeld meiner Freundinnen und Bekannten, die so um 50 sind, kristallisiert sich der Trend zu getrennten Schlafzimmern heraus. Inzwischen kennt man sich, hat schon so dies und jenes im Leben wie im Bett erlebt und beginnt sich auch hier zu fragen, was man selbst eigentlich will. Schlaf zum Beispiel. Missiö nebendran schnarcht zum Steinerweichen, Madame liebt es, bis nachts um Zwei zu lesen, braucht aber wegen der schwindenden Sehkraft eine ordentliche Beleuchtung. Sie ist eine Frühschläferin, er schafft es nach Ende der Spätsendungen, geräuschvoll ins Bett zu schlurfen. Die Beststelle wackelt, der Lattenrost knarzt. Ende mit Durchschlafen.

Nachdem man sich jahrelang geärgert, gestritten hat oder falsche Kompromisse einging, ist jetzt der Tag gekommen: wir (weiterlesen …)

22. August 2012
“Werd ich noch ich sein, wenn ich älter bin?”

Kennen Sie Rainer Schönes Lied “Werd ich noch jung sein, wenn ich älter bin?” Konstantin Wecker schrieb es 1976, Rainer Schöne interpretiert es bis heute. Ich habe seine grandiose Interpretation bei der NDR Talkshow “unplugged” mit Gitarre gefunden (ab Minute 12:42).

Er selbst ist 1942 geboren, hat inzwischen noch eine kleine Tochter und ist weiterhin sehr aktiv als Schauspieler und Musiker.

Eine Blogleserin sagte in Resonanz auf dieses Lied: “Ich hatte mir früher immer vorgenommen, in meinem Alter meinen Eigensinn zu behalten. Ich habe mein Leben immer auf meine Weise gelebt. Nun arbeite ich mit alten Menschen und merke, wie isoliert die Eigensinnigen sind. Ich glaube, ich will lieber daran arbeiten, dass ich gut in einer Gemeinschaft leben kann.”

Das beschäftigt ja viele: “Werd ich noch jung sein, wenn ich älter bin?” Werde ich so lebendig sein wie jetzt? Werde ich mein Leben, selbstbestimmt und unabhängig leben können?”
Mir geht der “Eigensinn” nach.  Eigen-Sinn.  Eigensinnig zu sein wird ja eher abgewertet. Und manchmal artet es in Stress aus, “das Eigene” zu finden. Andererseits: wenn man es denn gefunden hat, “Das Eigene”, die Art sich zu kleiden, die Werte, die einem wichtig sind, die Dinge, die man tut – dann ist man doch auch ziemlich glücklich. Ich bewundere an älteren und alten Menschen, wenn sie zu ihrer Persönlichkeit stehen und sie leben.  Es  sind lebendige, aufgeschlossene, unternehmungslustige, humorvolle Menschen – manche sind mehr, andere viel weniger mobil. Es geht also, sein “Eigenes” zu leben. Allerdings haben diese Leute neben dem Eigensinn noch etwas anderes entwickelt: (weiterlesen …)

17. August 2012
In welchem Leben möchten Sie aufwachen? – Weitlings Sommerfrische

Buchbesprechung: Sten Nadolny, Weitlings Sommerfrische

In einer meiner Lieblingsserien namens “Fringe – Grenzfälle des FBI” sind die Agents myteriösen Fällen auf der Spur.  Sie bewegen sich dabei in mindestens zwei Parallelwelten. In beiden Welten sind die dieselben Personen unterwegs, aber die Welten und die Menschen haben sich bei aller Ähnlichkeit unterschiedlich entwickelt. In einer der jüngsten Folgen vergleichen 2 Agents ihre Biografien und stellen fest, dass sie in allen wesentlichen Punkten (Eltern, Schulbiografie, Berufsbiografie)  gleich gelebt haben. Und doch sind sie völlig unterschiedliche Persönlichkeiten geworden.

Ein ähnliches Spiel unternimmt Sten Nadolny in seinem neuen Werk “Weitlings Sommerfrische”. Der Autor der preisgekrönten “Entdeckung der Langsamkeit” lässt seinen Protagonisten durch einen Segelunfall in seine Jugend zurück fallen. Der pensionierte Richter Wilhelm Weitling findet sich in einer Zwischenwelt wieder. Wie ein Geist klebt er an seinem jugendlichen Ego, das er nur verlassen kann, wenn der junge Willy schläft.  Gezwungen, sein frühes Leben noch einmal zu betrachten, erinnert er sich an Jugendlieben, Lehrer, seine Eltern und den leicht dementen Großvater, an seine Träume, Lieblingslektüren und Lebenspläne  – nämlich jemand Großes und Wichtiges zu werden. Es ist eine minutiöse Biografiearbeit, die für ihn manchmal ermüdend öde ist.  Wer möchte schon gerne noch mal 16 sein? Welche Gnade, dass man selbst so manches vergessen hat und im Rückblick (weiterlesen …)

11. August 2012
Was ein Brot mit Sinnlichkeit und dem Sinn des Lebens zu tun hat

Dies ist die Geschichte, die eine Frau um die 70 heute morgen erinnerte, als ich eine Andacht über Sinn – und Sinnlichkeit anzettelte. Wir waren mitten im Begleitseminar zur Opernakademie Bad Orb und hatten am Abend zuvor die Premiere der  ” lustigen Weiber von Windsor” erlebt. Hier ist also meine theologische Entdeckung: die erste Schöpfungsgeschichte erzählt von einem sehr sinnlichen Akt, als Gott den Menschen schuf. Wer schon einmal mit Ton gearbeitet hat, und sich diesem Material einfach hingab, wird verstehen, was ich meine. (Ausführlicher ist dies nachzulesen in meinem Artikel über Älterwerden und Sexualität.)
Ich glaube, dass wir durch unsere Sinne Sinn erfahren können. Und ich glaube, der Sinn des Lebens schlummert (unter anderem) darin, dass wir unsere Sinne und unsere Sinn-lichkeit als Geschenke und Schätze wahrnehmen.

Hier also die Kindheitserinnerung, die gleich zwei Frauen hatten:

“Als ich groß genug war, durfte ich es übernehmen, den Sauerteig für unser Brot mit den Händen zu mischen. Das war ein herrliches Gefühl, sehr sinnlich. Dann wurde der Teig mit zwei Kreuzen und “Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes” gesegnet und zugedeckt. Am nächsten Tag hat mein Bruder den Teig geknetet, das war etwas schwerer. Die Brote wurden geformt. Der Ofen heiß gemacht. Mit drei Ähren, die hineingeworfen wurden, wurde geprüft, ob der Ofen heiß genug ist. Dann wurde der Ofen gesegnet und die Brote eingeschossen.”

Ich konnte den feuchtkühlen Brotteig fühlen, den herzhaften Ofenduft riechen, das Krachen der Kruste beim Schneiden hören, den frisch gebackenen Sauerteig schmecken. Und das Strahlen der Frau sehen. Was für ein wundervolles Alltagsritual, ein Gebet mit allen Sinnen. Es hat die Familie zusammengebracht und genährt. Wenn das nicht ein Geschmack vom Sinn des Lebens ist.

 

 

7. August 2012
Spielerisch der Liebe im Alter ein Gesicht geben – Eröffnung der Ausstellung “Alter und Liebe”

„Ich suche dich! Wir haben uns auf der Seniorenfeier in Freigericht-Neuses getroffen. Du bist 85 J. alt,  kommst aus Schlesien und wohnst in Somborn. Wir saßen uns gegenüber. Bitte melde dich!“
(Quelle: Online Material zur Ausstellung Alter und Liebe)

Irgendwann werden wir nicht mehr  über diese Suchanzeige schmunzeln, die tatsächlich in der Zeitung stand. Irgendwann wird es normal sein, dass alte Paare händchenhaltend durch die Fußgängerzone schlendern. Und niemand wird sich über den leidenschaftlichen Kuss amüsieren, den sich zwei 90-jährige im Altenheim geben. Helmut Schmidt wird mit seiner neuen Lebensgefährtin keine Schlagzeilen machen.
Niemand wird sich mehr schämen müssen, zuzugeben, dass er mit 75 doch noch mal eine Kontaktanzeige aufgegeben hat – und Erfolg hatte!
Irgendwann werden ältere Männer feststellen, dass ältere Frauen doch die besseren Liebhaberinnen sind. Und die Zartheit der altersfaltigen Haut wird gepriesen wie die Pfirsichhaut einer 20 – Jährigen.

Ab sofort können Sie bei uns im ebz die wunderbare Wanderausstellung des Hanauer Seniorenbüros  “Alter und Liebe” mit Fotografien von älteren Paaren von Winfried Eberhardt sehen. Bis zum 27. September täglich 9 – 16 Uhr, sonntags bis 15 Uhr.

Würzburger Str. 13, Bad Orb

Uuuuuuuuuuuuund einen sehr vergnüglichen Artikel über Sexualität und Älterwerden können Sie lesen. Den schrieb ich für eine katholische Zeitschrift und er enthält zu viele sinn-liche Wörter, als dass ich sie hier in den Blog stellen könnte. Dann kriege ich leider blöden Besuch von Leuten die ich hier nicht haben will. Aber unbedingt hinklicken: hier geht´s zum Artikel!