Blog für die zweite Lebenshälfte

Blog für die zweite Lebenshälfte

Archiv - "Allgemein"

20. Mai 2013
Pfingstengel

Erneuerung:

Wo die Geistkraft Gottes weht …

 

Aus der Pfingstnacht in der Martinskirche in Stuttgart.

12. Mai 2013
Letzte Anblicke

Letzter Kurstag im ebz. Letztes Mal Mittagessen kochen und gelobt werden. Letzte Blicke. So sah eine Teilnehmerin “unser Mädchen” am Eingang. Sie half noch etwas nach mit all der flüchtigen Blütenpracht.

8. Mai 2013
Frau Ludewigs Himmelfahrt

Thomas Hirsch-Hüffel ist Pastor im gottesdienst institut nordkirche. Er schrieb diesen wunderbaren Text, den ich hier veröffentlichen darf:

“Frau Ludewig ließ ihren Mann die Überweisungen für die Bank schreiben.
Sie ließ ihn steuern bei den Fahrten von Hamburg-Barmbek nach Grömitz zu ihrem kleinen Wohnwagen. Sie schaute mit ihm Lindenstrasse, auch wenn sie lieber im Garten im Hof gesessen hätte. Dafür schnitt er am Wochenende das Gemüse und brachte eine Flasche Sekt mit, damit sie beide ein bisschen feiern.
Manchmal träumte sie davon, ein Flugzeug selber zu steuern. Immer wieder startete sie erfolgreich im Traum, aber nach ein paar Kilometern landete sie im Vorgarten ihrer Eltern. Da großes Theater: Die Hecke kaputt! Wie kannst Du nur … . Immer wieder diese Szene nachts. Einmal hat sie Paul davon morgens erzählt. Er hat gegrunzt und gesagt: Na du willst ja hoch hinaus. Mach doch erstmal Führerschein, ich zahls auch. Hat sie nicht. Warum auch, er fuhr gern und sie fuhr mit.

Vor 2 Jahren hat sie ihren Mann nach 34 Jahren Ehe hergeben müssen.
Erst ging gar nichts mehr. Die beiden Söhne kamen oft, weil sie kaum essen wollte. Der Pastor sagte: Tragen sie doch eine Weile schwarz. So machte sie es. Und es tat ihr gut, Ihre Trauer zeigen zu können. Die Söhne schrieben die fälligen Überweisungen und bestellten ihr ein Taxi.

Eines Tages wachte sie auf, hörte die Vögel schimpfen, sah die leere und saubere Hälfte des Ehebettes an und schüttelte den Kopf. Sie (weiterlesen …)

2. Mai 2013
Den Lappen abgeben

Herr H. nimmt sein Leben in die Hand. Schon immer. Als Freiberufler muss man das.
Herr H. hat sein Auto verkauft und den Führerschein abgegeben.
Er hat mir außerdem erzählt, dass man in Ulm in diesem Fall ein kostenloses Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr bekommt.
Stand heute in der Zeitung.

Herr H. ist zufrieden. Und auf dem Weg zum nächsten Termin. Nur eben zu Fuß. Macht ja nichts.

Herr H. ist 82. Na bitte.

In Ulm geht das mit dem Lappen jetzt schon ab 63. Das ist gewagt. Die 63-jährigen werden sich erhitzen. Aber irgendwer muss ja mal anfangen.

 

2. Mai 2013
Im Ruhestand: was soll ich tun? Den “Sinn – Sinn” stärken

Das erste Jahr ist rum. Der Abstand von der Arbeit gewonnen. Und man ist unglücklich. Denn der Traum vom Nichtstun erweist sich als langweilig. Noch schlimmer: sinn-los. In dem Buch von Natalie Knapp, Kompass neues Denken. Wie wir uns in einer unübersichtlichen Welt orientieren können, habe ich endlich eine Formulierung gefunden, die beschreibt, wie ich Sinn erlebe. “Sinn” wird in der Regel so verstanden, dass man ein bestimmtes Ziel verfolgt und erreicht (z.B. Erfolg in der Arbeit, Kinder großziehen, sichtbare Werte hinterlassen) Auch wenn man diese Ziele erreicht, bleibt oft ein Fragen und Sehnen zurück. Das geschieht mit 40 (s. hier: http://blog.ebz-bad-orb.de/2013/03/25/war%c2%b4s-das-midlife-crisis/ ) genauso wie mit Mitte 60. Es wird immer drängender, je mehr man auf die Möglichkeit zusteuert, dass man sein Leben nicht mehr mit Geschäftigkeit ausfüllen kann. Ich glaube, dass die Angst vor dem hohen Alter auch darin begründet liegt, dass man dann nichts mehr tun kann. Und dass dadurch das Leben keinen Sinn mehr haben könnte.

Was uns wirklich berührt

Frau Knapp erklärt, dass Sinn ursprünglich eigentlich “nicht Ziel oder Zweck sondern Richtung und Bewegung” bedeutet. Sie schreibt: “Wir finden diese Bedeutung noch im Wort `Uhrzeigersinn`. Ein Leben muss also keinen Zweck verfolgen, um sich `sinn-voll` anzufühlen, aber es muss in eine bestimmte Richtung unterwegs sein. Ob wir die richtige Richtung einschlagen, lässt sich an einfachen Zeichen ablesen: `Sinnvoll`ist, was uns wirklich berührt.” (S. 224)

Wie sieht Ihr Leben aus, wenn Sie es aus dieser Sicht heraus betrachten: Erfahrungen, Menschen, Erlebnisse, die mich wirklich berühren?

Woran merke ich überhaupt, dass mich etwas berührt? Frau Knapp fährt fort mit einem Kapitel über “Resonanz”. Ich erkläre es mal so: ein Saite an der Gitarre oder der Geige wird gezupft, gestrichen, und der Ton entsteht durch das Vibrieren des Instrumentenkörpers. Unser Körper als Resonanzkörper: wann schwingt Ihr Herz, wann der Geist, wann der Körper?

Und wenn Sie das herausgefunden haben, dann wäre der nächste Schritt, sich mehr solcher Gelegenheiten zur Resonanz zu schaffen. Und das kann jetzt je nach Person ganz unterschiedlich aussehen:

  •  endlich das Buch lesen,
  • Musizieren,
  •  Gesangsstunden nehmen,
  • Kindern beim Lesenlernen helfen,
  •  alte Menschen besuchen und ihre Geschichten hören,
  • die kleinen Gärten der Stadt mit anderen zusammen flott machen…
  •  mit jemand über den alten und den neuen Gott reden

Was berührt Sie wirklich? Tun Sie mehr davon: es stärkt Ihren “Sinn-Sinn”

 

 

24. April 2013
Alte Menschen zwischen Gras und Seetang

Oder auch: Alte Leute, die Natur tragen. Mir wurde ein Link zu diesen sehr merkwürdigen und irgendwie tollen Bildern zugespielt. Alte Frauen mit Stöckchen um dem Kopf, ein Mann steht in Schilf gewunden im Wasser. Skurril schön. Nur: warum  wird das in einem Blog namens  ”sad and useless” (Traurig und nutzlos) gepostet? Das ist ein Skandal. Von Ann Geddes und ihren Babys im Gemüse würde das niemand sagen.

Aber diese inszenierten Fotografien von Riitta Ikonen (Finland) and Karoline Hjorth (Norwegen) sind nah dran an irgendwas, was mich anrührt. Finde ausnahmsweise keine Worte. Sehen Sie lieber selbst:

http://www.sadanduseless.com/2013/03/old-people-wearing-vegetation/

17. April 2013
Unsere Clowninnen und Clowns fürs Altenheim

Voilá! Unser zweiter Kurs “Clown/ Clownin im Altenheim” ist vollendet! Welch wundersame und wunderbare Verwandlungen sind in einem Jahr geschehen.

Gibt es wieder einen Kurs? Das wissen wir noch nicht. Bis dahin bitte vorbeischauen bei unserer Clownslehrerin Gisela Matthiae: www.kirchenclownerie.de

28. März 2013
BROT & GRÜN

Mein Gründonnerstag – Abend. Ein Essen und Begegnen mit Freundinnen nach einer Woche des Abschieds. Brotsuppe, bestreut mit den einzeln gereichten Kräutern für Grüne Soße. Brot direkt aus der Pfanne (auf einer kleinen Kochplatte am Tisch), darauf zerfließt Butter, die Kräuter geben jedem Bissen eine eigene Note. Stangenselerie stippt in philippinische Salsa verde, Frankfurter Grüne Soße und Avocadocreme. Und dazu das Teilen von Erlebtem dieser Tage, den Toden, die wir begleitet hatten. Musik, die uns bewegt, Kunstimpulse, die uns beschäftigen.

 

Verbundenheit

Durch das Sterben hindurch
Über den Tod hinaus

Wir essen noch einmal von dem Brot
Es schmeckt himmlisch
noch süßer die alten Lieder
sie kühlen die Kehle
im Ringen um die letzten Worte

Und wir, die wir bleiben
haben den Geschmack auf der Zunge
nach Vitello Tonnato, nach Crème Brulée
nach frischem Brot
nach Leben

bis zum letzten Augenblick

(für HBB und ME)

Dieser Texte gehört auch zu diesem Artikel: http://blog.ebz-bad-orb.de/2013/03/28/befiehldudeinewege-alle-strophen/

 

 

28. März 2013
BefiehldudeineWege – Alle Strophen

Nun habe ich es zum zweiten Mal innerhalb einer Woche erlebt, dass Menschen, die kaum noch ein Wort zustande brachten, während eines Hausabendmahls plötzlich aus voller Kehle sangen. “Befiehl du deine Wege” alle Strophen auswendig. Zweite Stimme zum bekannten Lied. Und noch ein Lied hinterher.

Glücklich, wer ein Fundament hat, das so tief greift. Und selig sind, die mit den Todkranken und Schwachen singen. Und ja: bitte singen Sie mit ihren Enkeln und Nachbarskindern. Sie bauen mit, an der spirituellen Basisstation der nächsten Generationen.

27. März 2013
Ältere Tänzerinnen im Abseits? Bitte nicht!

Ich traf kürzlich meine Improvisationslehrerin Cynthia Winton-Henry aus den USA. Sie ist um die 60 Jahre alt, trägt ihr graues Haar in einer frechen Kurzhaarfigur und tanzt so wunderbar wie vor 18 Jahren als ich sie kennenlernte und sie ungefähr so alt war war wie ich jetzt. Ich war ganz platt, dass nach 40 Jahren Tanz-Erfahrung und einem bewussten Umgang mit der Weisheit des Körpers sie dennoch mit ihrem Körper und Älterwerden hadert. Aber das müssen wir wohl alle durch.

Sie sandte mir ein Video über ein Luft-Tanzprojekt in dem die Regisseurin Vickey Amedume sich bewusst mit der Thematik älterer Tänzerinnen einlässt. Entschuldigung, es ist auf Englisch, aber die Bilder sind wunderschön. Amedume findet, dass ältere TänzerInnen die narrativen und emotionalen Inhalte von Choreografien viel besser rüberbringen als junge TänzerInnen.

Hier mehr über InterPlay – und Cynthia. Sie ist im August in Schottland, wo sie das Spiel mit Bewegung Stimme, Geschichtenerzählen und Kontakt mit einer Reise durch Schottland verbindet. Einige Deutsche fahren mit, die übersetzen können.

http://www.interplay.org

http://www.interplay.org/index.cfm/go/events:event/happening_id/1817/returnEvent/byLocation/