Blog für die zweite Lebenshälfte

Blog für die zweite Lebenshälfte

Archiv - "Ausstellungen im ebz"

7. August 2012
Spielerisch der Liebe im Alter ein Gesicht geben – Eröffnung der Ausstellung “Alter und Liebe”

„Ich suche dich! Wir haben uns auf der Seniorenfeier in Freigericht-Neuses getroffen. Du bist 85 J. alt,  kommst aus Schlesien und wohnst in Somborn. Wir saßen uns gegenüber. Bitte melde dich!“
(Quelle: Online Material zur Ausstellung Alter und Liebe)

Irgendwann werden wir nicht mehr  über diese Suchanzeige schmunzeln, die tatsächlich in der Zeitung stand. Irgendwann wird es normal sein, dass alte Paare händchenhaltend durch die Fußgängerzone schlendern. Und niemand wird sich über den leidenschaftlichen Kuss amüsieren, den sich zwei 90-jährige im Altenheim geben. Helmut Schmidt wird mit seiner neuen Lebensgefährtin keine Schlagzeilen machen.
Niemand wird sich mehr schämen müssen, zuzugeben, dass er mit 75 doch noch mal eine Kontaktanzeige aufgegeben hat – und Erfolg hatte!
Irgendwann werden ältere Männer feststellen, dass ältere Frauen doch die besseren Liebhaberinnen sind. Und die Zartheit der altersfaltigen Haut wird gepriesen wie die Pfirsichhaut einer 20 – Jährigen.

Ab sofort können Sie bei uns im ebz die wunderbare Wanderausstellung des Hanauer Seniorenbüros  “Alter und Liebe” mit Fotografien von älteren Paaren von Winfried Eberhardt sehen. Bis zum 27. September täglich 9 – 16 Uhr, sonntags bis 15 Uhr.

Würzburger Str. 13, Bad Orb

Uuuuuuuuuuuuund einen sehr vergnüglichen Artikel über Sexualität und Älterwerden können Sie lesen. Den schrieb ich für eine katholische Zeitschrift und er enthält zu viele sinn-liche Wörter, als dass ich sie hier in den Blog stellen könnte. Dann kriege ich leider blöden Besuch von Leuten die ich hier nicht haben will. Aber unbedingt hinklicken: hier geht´s zum Artikel!

 

 

22. Mai 2012
Anna von Monkiewitsch – Allzu menschliche Wesen

Unsere Aktuelle Ausstellung im ebz: “Wolken-Wesen-Wände” noch bis zum 17.7.2012 zu sehen i.d.R. täglich 9-16 Uhr, sonntags bis 15 Uhr. Würzburger Str. 13, Bad Orb. Hier meine Gedanken zu den “Wesen”
Alte schöne Rahmen, manche schon etwas abgeblättert oder angeknackst. Papier aus alten Kassenbüchern. Darauf gezeichnet Männer und Frauen oder soll ich sagen „Männlein und Weiblein“? Paare jedenfalls, denn die Figuren stehen auf vielfältige Weise in Beziehung zueinander. Die Linien umreißen die wesentlichen Formen des männlichen und weiblichen Körpers. Dort wo ein Arm oder eine Hand notwendig ist, werden sie zusätzlich angedeutet, sofern sie nicht zur Kontur gehören. Was nicht unbedingt nötig ist, wird weggelassen. Unsere Augen werden hier aufs Wesentliche geführt.

Wir sehen nicht die glatten Striche einer klassischen Aktzeichnung. Die Linien verlaufen eher etwas krakelig, verlieren sich auch einmal im Offenen, es können dann auch mal ganze Gliedmaßen fehlen.  Liebevoll blickt das weibliche Wesen, zärtlich verschämt das männliche. Eine Wärme im Blick, die mich davon ablenkt, dass wir hier es in keinster Weise mit Schönheit im herkömmlichen Sinne zu tun haben. Diese zwei hier mögen sich wirklich sehr.
Mit den Bildern der Ausstellung können wir Geschichten spinnen von Paaren, die sich mögen, sich lieben, sich neugierig erkunden, sich necken, sich zoffen, sich küssen, ineinander verschmelzen, nicht voneinander lassen können. Spielarten der Liebe und (weiterlesen …)

14. Juli 2011
Patchwork – Ausstellung im ebz

Quilt "Leben", Renate Schlag, Gabriele Völler

Zum Staunen. Winzige Stoffquadrate, in (für das Laienauge) wilden Stoffkombinationen aneinandergereiht. Darüber in feinen Linien genäht/gequiltet: Wörter, Blüten, Muster. Wir setzen die Sommertradition fort: Gabriele Völler und weitere Stoffkünstlerinnen zeigen ihre Patchworkarbeiten  und Quilte. Diesmal zum Thema “Gelb”. Viele große Quilte, filigrane und farbstarke Blumen, faszinierende Muster.

Wir eröffnen am Dienstag, den 19. Juli um 15 Uhr. Die Künstlerin Hilde Heyduck-Huth wird dazu Haikus lesen – kleine Wort-Farb-Bilder. Frau Völler geht mit Ihnen durch die Ausstellung und es gibt Kaffee und Kuchen…
Zu sehen sind die Arbeiten ab sofort bis zum 30. September 2011, i.d.R. 9-16 Uhr (sonntags bis 15 Uhr). Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, dass geöffnet ist: 06052-91570

1. Juni 2011
Malen im Ruhestand – Malkurs der Hobbythek Bad Orb

Unter dem Titel “Bilder des Sommers – Gruppenausstellung des Malkurses der Hobbythek Bad Orb unter Leitung von Johannes Tittel” zeigen wir bis zum 10. Juli 2011 die aktuellen Ergebnisse der Hobbymalerinnen und -maler.  Eine muntere Gruppe von 20 Personen, die inzwischen mehr verbindet als nur die Malerei. Inzwischen gibt immer mehr Kurse dieser Art.Warum es sich lohnt, die Kreativität auch im Älterwerden zu entfalten, habe ich gestern in der Eröffnung beschrieben:
Johannes Tittel leitet seit 15 Jahren Malkurse „Malen mit dem Künstler“ und begleitet die Einzelnen in ihrer Entwicklung. Er ist von Beruf Bühnenbildner und lebt mit seiner Frau als freischaffender Maler  in Bad Orb. Er wurde in Zwickau geboren, dort studierte er auch die Malerei. Er ist ein Vertreter der gegenständlichen Kunst, bevorzugt selbst Aquarell- und Öltechniken, die er in seinen Kursen vermittelt. Einige Jahre lang hat er die Bühnenbilder für die Bad Orber Opernakademie geschaffen. Er hat einen Blick für das, was die Einzelnen ausmacht und es ist sein Ziel das jeweils Eigene, die eigene Handschrift in der Malerei zu fördern.

 Eine Gruppe in der zweiten Lebenshälfte
Der Malkurs der Hobbythek Bad Orb, das sind 20 Frauen und Männer, fast alle zwischen 60 bis um die 80 Jahren alt sind. Das ebz unterstützt gerne Herrn Tittels Anliegen, die Ergebnisse hier zu zeigen, fördern wir doch mit unseren Inhalten ein neues Bild vom Älterwerden, in dem wir den Blick weniger auf die Defizite als auf die Potentiale der älter werdenden Menschen richten. Unser Motto ist „Die zweite Lebenshälfte ist bunt und vielfältig.“

Das sehen die Mitglieder der Gruppe, soweit ich das heraushören konnte genauso. Einige haben im Ruhestand mit der Malerei begonnen, andere einen Faden der Kreativität aus jungen Jahren wieder aufgegriffen, manche malen einfach schon immer oder schon lange. Dahinter steckt die Lust, die eigenen Möglichkeiten (weiterlesen …)

2. Mai 2011
Alte Liebe: Der Eintänzer und Mister Tango

Ilona Nolte Tango Argentino

Man erzählt es sich noch heute. Im Starkasten, der Bad Orber Traditionsdisco forderte er nur die Frauen auf, die mindestens einen Kopf größer waren als er – und das war nicht schwer. Er war schon älter und kein Schönling. Aber irgendetwas muss er gehabt haben. Er bekam nie einen Korb. Und die Damen ließen ihn an ihrem stets üppigen wogenden Busen ruhen… für diesen einen Tanz. Er war der Eintänzer.

Es ist vierzig Jahre her. Im Hotel des Kurorts saß sie, Mitte 30, mit ihrem Mann zusammen mit einem alten Ehepaar am schön eingedeckten Tisch. Der alte Mann wirkte eingefallen und wenig ansprechbar. Die Band spielte Tango. “Man müsste einen Tango tanzen können…”, seufzte sie. Die alte Frau horchte auf. “Bitte,” sagte Sie, “tanzen einmal mit meinem Mann.” Sie verfluchte sich innerlich, warum hatte sie nicht ihren Mund gehalten. Doch sie wagte nicht, der Frau ihren Wunsch abzuschlagen und schlich hinter den beiden her, während die Ehefrau ihren klapprigen Mann auf die Tanzfläche lenkte.
Der Tango setzte ein, der Mann nahm Haltung ein und dann tanzte er mit ihr den schönsten Tanz ihres Lebens. Er führte sie elegant und achtsam. Sie gab sich der eigenartigen Nähe, die nur der Tango schafft hin. Es war himmlisch.
Kaum dass die Musik verstumte, sackte ihr Tänzer wieder in sich zusammen. Der Tanz blieb auch nach 40 Jahren unvergessen.

Ilona Nolte, Abschlussball

Die Bilder stammen aus unserer Ausstellung “Lebenslust” – Ölgemälde von Ilona Nolte.

16. März 2011
Lebenslust – Bunte Bilder vom Alter von Ilona Nolte

Gestern haben wir die Ausstellung von Ilona Nolte eröffnet. Hier meine Eröffnungsrede:
“Lebenslust” in der Passionszeit? Ja! 7 Wochen  mit Farbe, mit Freude und Leidenschaft. Dennn Leidenschaft ist die zweite Übersetzung von “Passion”. Die Generation, die wir hier zeigen hat viele Entbehrungen hinter sich. Wir suchen nach dem, was Lebenskraft gibt!
“Lebenslust” angesichts der Katastrophen in Japan? Ja! Wenn wir in dieser Welt eins brauchen, dann ist das die Passion, die Leidenschaft für das Leben, den Willen und die Freude daran, Farbe und Lebendigkeit in unser Leben, in unsere Nachbarschaft, in unsere Welt zu bringen. Die Leidenschaft für das Leben, die Lebenslust lässt uns für den Erhalt der Schöpfung eintreten, für eine Zukunft, in der unsere Kinder und Kindeskinder gut und sicher leben können.  Dafür brauchen wir Lebendigkeit und Lebenslust.

Da sitzen sie, so präsent als würden sie gleich aus dem Bild steigen. Diese drei hier hören mir  gerade zu und später werden sie mir schon sagen, (weiterlesen …)

13. März 2011
Eröffnung: “Lebenslust”, farbenfrohe Bilder vom Alter

Am Dienstag, 15.3. Ausstellungseröffnung mit Kaffee und Kuchen

Als wir die Bilder von Ilona Nolte aufhingen, fegte auf einmal ein Schwung durchs ebz, der auch bei der trockensten Qualitätsmanagement – Fortbildung (Die KiTa – Leiterinnen waren mit einer Fortbildung bei uns) wieder  Spaß aufkommen lies. Sie sollten diese Bilder nicht verpassen! In Kürze mehr, hier unsere Einladung durch die Presse. 

 Am Dienstag, 15. März, 15 Uhr eröffnet im Evangelischen Bildungszentrum für die zweite Lebenshälfte die Ausstellung „Lebenslust“. Die Malerin Ilona Nolte zeigt das Alter von seiner humorvollen Seite. Lebenslustige Sängerinnen, Kaffeetrinkerinnen, Beobachter – Menschen wie wir sie kennen, Menschen die wir selbst sind, manchmal auch Berühmtheiten, die dennoch Vorbild sein können.  Sie werden farbenfroh und lebendig in Szene gesetzt. Mit einem Augenzwinkern und zugleich der Botschaft, gerade auch im Alter die Lust am Leben zu entdecken. Weil die Menschen auf den Bildern zum Gespräch mit ihnen anregen, lädt das ebz zur Eröffnung mit Kaffee, Kuchen und Musik ein.

Die Bilder sind bis zum 14. Mai zu sehen, i.d.R. täglich (9-16 Uhr, sonntags bis 15 Uhr). Der Eintritt ist frei. Evangelisches Bildungszentrum, Würzburger Str. 13

Telefon: 06052-91570, www.ebz-bad-orb.de

21. Februar 2011
Else Natalie Warns – Ein anderer Umgang mit Demenz

Else Natalie Warns kam zur Eröffnung der Ausstellung ihres Mannes gerade von einem Bibliodrama-Workshop mit österreichischen Ordensbrüdern, die sich in einer 6-Wochen-Klausur auf ihre letzte Lebensphase vorbereiteten. Allein das wäre schon einen Text wert. Frau Warns ist selbst gerade 80 geworden. Mit den Männern ab 75 Jahren machte sie Körperarbeit, liess sie mit Ton, Papier und Farbe zu Psalm 30 arbeiten! Vielleicht ist man als Lehrbibliodramaleiterin und Theaterpädagogin besser vorbereitet auf die harten Seiten des Lebens. Sie begleitete ihren Mann Eberhard Warns über 17 Jahre in seiner Demenz. Mit allem was diese Krankheit zu bieten hat. Wie hat sie das geschafft? “Ich habe es einfach gemacht”, sagt sie, “es war halt so”. Dass sie wie viele andere Angehörige von Menschen mit Demenz dabei an und über ihre Grenzen ging, ist auch so. Dennoch: sie hatte und hat ein tragendes Netz der Familie, Freundinnen und Freunde, Arbeitskollegen des Mannes. Und – vielleicht der entscheidende Unterschied: sie ging und geht mit der Demenz offen um.
Für viele Angehörige ist es nicht nur irritierend, (weiterlesen …)

13. Februar 2011
Psalm unter dem Tor (nach Psalm 139)

Eberhard Warns

(Resonanz auf Psalm 139 und die Bilder von Eberhard Warns, Pfarrer, Künstler innerhalb seines Lebens mit Demenz)

Von allen Seiten kommen sie,
die Gedanken wie Menschen – wo soll ich hingehen
wohin fliehen vor der Fülle
einer Welt, die ich nicht mehr verstehe
verstehst du mich?

Wo gehe ich hin,  wo geht’s hier hin wo geht’s hier lang wobinichdenn
Von allen Seiten umgibt mich
Etwas
Du?
Wer warst du? DU? Ich hab dich doch gespürt, als du den Bogen über mein Leben stelltest.
Von allen Seiten

Mein Verstand hat mich verlassen, ich kenne mich nicht mehr.
Aber du. Dein Buch. Du hast es nicht verlegt.
Ich bin darin eingegraben.

Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin.
Ich danke dir für die Morgenröte. Sie streichelt meine Seele, wenn nur noch Farben mich erreichen.

Manchmal möchte ich tot sein, nicht mehr niedergedrückt, von dem was ich mal wusste und dem was andere von mir wollen.
Manchmal möchte ich das Tor durchschreiten,
den Lichtstrahl ergreifen, den du mir hinhältst.

Von allen Seiten du. Wie eine Schale, wie ein Schoß, du hältst deine Hand unter mir.

Annegret Zander

10. Februar 2011
„Ich will Freiheit beim Malen“ Eröffnungsrede zur Ausstellung der Gemälde von Eberhard Warns

"!Wut u. Mut!!", Eberhard Warns

„Ich will Freiheit beim Malen“ – Kunst trotz Demenz, Gemälde von Eberhard Warns

Inzwischen würde ich den Untertitel ändern in „Kunst und Demenz“. Ich würde gerne von dem Bild des Kampfes gegen eine Krankheit wegkommen und stattdessen den Blick auf die Möglichkeiten richten, die auch in einem Leben mit Demenz zu entdecken und zu entfalten sind.

Eberhard Warns 1927 geboren, war  Pfarrer in der Schülerarbeit, in der Gemeinde und zuletzt als Brüderpfarrer in Bethel u.v.m. Ein Jahr nach seiner Pensionierung gab es erste Anzeichen einer Demenz, die in den folgenden 17 Jahren immer weiter fortschritt.  Er verstarb im Jahr 2007.
Seine Frau Else Natalie Warns hat ihn in all diesen Jahren bis an die Grenzen ihrer Kraft begleitet. Ein Durchbruch in einer schlimmen Zeit etwa 4 Jahre vor seinem Tod geschah, als er eines Nachts aufwachte mit dem Ruf „Ich will Freiheit beim Malen!“. Sie besorgte ihm Pinsel, gute Farben und  großformatiges Papier, stellte ihm später auch eine Künstlerin (keine Kunsttherapeutin!) zur Seite und gab ihm dadurch die Möglichkeit seiner Freiheit Ausdruck zu geben.

In dem von ihr herausgegebenen Buch (E.N. Warns, Hg. „Ich will Freiheit beim Malen“. Kunst als autonome Kommunikation eines Menschen mit Demenz),  finden sich zahlreiche Dokumente, wie über diese Bilder wieder Kontakt möglich wurde. Eberhard bekam wieder Kontakt zu sich selbst, zu seiner Kraft. Ein Bild hat er selbst betitelt: „!Wut u. Mut !!“ Es ist anders in der Formsprache als die meisten anderen Werke. Mit großer Kraft ausgeführt, ein wilder, und zugleich konzentrierter Tanz. Es fasst für mich emotional zusammen, was in seinen Bildern zum Ausdruck kommt.
Wut ist eine starke Kraft, zuweilen wurde sie wild, gar gewalttätig.  All unsere Emotionen sind eine starke Kraft. Und vielleicht ist die Verlagerung in der Demenz vom Verstand auf die Gefühle ein Geschenk, das wir von dieser Krankheit empfangen können. Die Wut und all die anderen Gefühle konnten sich bei Eberhard Warns in Lebensmut verwandeln. Eine Botschaft, (weiterlesen …)