Blog für die zweite Lebenshälfte

Blog für die zweite Lebenshälfte

Archiv - "Liebe"

10. Dezember 2012
Wie erwachsen fühlen Sie sich an Weihnachten?

Es ist ja schon fast zu spät für diesen Artikel, denn sicher haben Sie sich schon mit Ihrem Partner /Ihrer Partnerin in den Haaren. Oder stillschweigend hingenommen, dass es wie “alle Jahre wieder” wird. An Weihnachten: Wer feiert mit wem? Wer fährt wann wo hin? Essen wir was meine Mutter oder deine Mutter immer gekocht hat? Wollen wir nicht lieber mal allein zu zweit unterm Baum sitzen? Kann das nicht mal ein Plastikbaum sein? Um Gottes willen!!!  etc pp

Meine Freundin und “Blog-Kollegin” Petra Schuseil hat in ihrer Adventsblog – Aktion interessante Menschen eingeladen, Beiträge rund um die Adventszeit zu schreiben. Zum Beispiel von Roland Kopp-Wichmann, Psychologe und Coach in Heidelberg. Er stellt – überzeugend – die These auf, dass Weihnachten uns zeigt, wie erwachsen wir geworden sind. Und stellt Fragen, die Ihnen zu einem friedlichen Weihnachten verhelfen können.

Lesen Sie selbst: http://www.lebenstempo-blog.de/adventskalender-am-6-12-weihnachten-von-roland-kopp-wichmann-heidelberg/

Heute beginnt Herr Kopp-Wichmann seinen Emailkurs “Ziemlich beste Partner”, den man auch als MP3 download hören kann.Mehr darüber hier: http://www.persoenlichkeits-blog.de/article/9244/beziehungs-test-online#more-9244

 

 

10. September 2012
“Late Bloomers” – Was geschieht, wenn Sie in den Spiegel schauen?

Filmbesprechung: Late Bloomers von Julie Gavras

Tick – tick – tick. Adam (William Hurt) und Mary (Isabella Rossellini) hören sie laut und deutlich. Die Zeichen der Zeit: es geht ans Älterwerden.

Während der erfolgreiche Architekt eine Goldmedaillie für sein Lebenswerk entgegennimmt (und damit laut seiner Schwiegermutter seiner Mumifizierung beiwohnt) erleidet seine Frau einen Gedächtnisschwund-Anfall. Oder wie soll man das nennen, wenn plötzlich, am Höhepunkt eines gemeinsamen Lebens die Erkenntnis einschlägt, dass man alt wird. Und nun spielt die Regisseurin Julie Gavras alles durch, was der Blick in den Spiegel von 59 – jährigen Männern und Frauen hergibt.

Die wunderschöne Isabella Rosselini zeigt ihren faltigen Hals. Wie oft haben Sie Ihre Haut an dieser Stelle schon nach hinten gezogen oder mit einem Schal bedeckt? William Hurts Oberkopf zeigt magere Stellen des altblonden Schopfes. Adam wird sich in ein Kapuzensweatshirt und eine alberne Lederjacke zwängen. Es ist wie aus dem Lehrbuch abgeschrieben und durchdekliniert: das vorbildlose Älterwerden, das jede/r für sich selbst gestalten muss – und dann auch noch als Paar.

“Alter und Liebe” im Film hat Saison. Im Vorspann im Kino wurden gleich noch zwei Filme in der Richtung für den Herbst angekündigt. Wer geht da hin, um sich das anzuschauen? Mein Kino war leer. ein paar versprengte Paare (immerhin), Freundinnen in den besten Jahren und siehe da! auch eine Riege von U 40 Frauen und Männern wagten es, sich diesen sehr gut gemachten Film mit dem beknackten Titel anzusehen.

Viele Lacher bekam die Schwiegermutter, die im hohen Alter ihren Weg gefunden hat, den Schwiegersohn mit selbstgebackenen Panetone und einem Geheimnis belastet und beehrt und sich von dem ganzen “ich bin doch gerne Großmutter-” Quatsch lossagt. Das hat ihre Tochter noch vor sich, die mit den Enkeln nicht mehr gut zurecht kommt, genauso wenig wie mit ihrem Aussehen und ihrer Rolle in der Gesellschaft.  Ihren Weg ins Älterwerden geht sie ebenfalls an, wie aus den neuesten Ratgebern abgeschrieben: Das Seniorentelefon mit den großen Tasten wird angeschafft (das spart Zeit, die Brille zu suchen). Im Luxusbad kommen die Haltegriffe neben die Badewanne, das Ehebett wird elektrisch höhenverstellbar. Der Gatte weigert sich, auch nur irgendetwas davon anzurühren – und zieht aus. Er, der bislang immer Flughäfen gebaut hat, soll nun ein Altersheim planen. Im Grunde auch einen Übergangsort – wie er irgendwann erkennt. Er hasst diese Aufgabe, hasst es, bei  der Besichtigung eines Altenheims als Bewohner behandelt zu werden. Lässt sich auf ein Projekt mit jungen Leuten ein und eine junge Frau.

“Late Bloomers” bringt alles auf den Tisch. Gnadenlos. Witzig. Menschlich.  Und mit der Erkenntnis, dass auch Ihnen und mir (weiterlesen …)

9. September 2012
Bunt – vielfältig – beängstigend – erlösend: Marigold Hotel

Unbedingt ansehen! DVD – Tipp: Best Excotic Marigold Hotel

Vielleicht sollte ich Sie warnen. “Best Excotic Marigold Hotel” wird als die neue Komödie vom Regisseur von Shaespeare in Love angekündigt. In Wahrheit wird dieser Film Sie mit all Ihren Ängsten konfrontieren, die Sie in Bezug auf Ihr Alter haben. Er wird Ihnen allerdings auch das Herz wärmen und Mut machen. Das Alter schützt uns nicht davor große Entscheidungen zu treffen. Im Gegenteil. Wenn Sie glauben, dass Sie dann Ihre Ruhe haben werden, dann haben Sie sich gewaltig geirrt.

So geht es auch Douglas und Jean, seit 39 Jahren verheiratet. Sie wollten sich von ihren Rücklagen eine hübsche Wohnung für den Ruhestand kaufen. Dummerweise haben sie das Geld in der gescheiterten Internet-Firma ihrer Tochter versenkt. Aus der Traum vom gemütlichen Altersruhesitz mit Tee und Cookies. Auf diese britischen Grundnahrungsmittel würde auch Z nie verzichten. Muriel, die verknitterte ehemalige Hausdame, lebt ihren Rassismus offen und genüsslich. Sie wird ihre Hobknob – Kekse noch mit ins Grab nehmen wollen. Nun braucht sie erst einmal eine neue Hüfte. Doch die Warteliste ist lang. Ihr indischer Arzt bringt ihr das neue “Outsourcing” näher. In Indien käme sie schneller unters Messer.
Der Richter Graham schmeißt alles hin, rechtzeitig bevor auch ihm eine Ruhestandsfeier mit “schlechtem Wein und schlechtem Käse” droht. Er begibt sich auf einen Sehnsuchtspfad, der ihn sein ganzes Leben nicht losließ. Evelyn, kürzlich verwitwet und unerwartet verschuldet, flüchtet (weiterlesen …)

25. August 2012
Getrennte Schlafzimmer?!

Wir zeigen ja gerade diese Ausstellung “Achtung Liebe!” . Das ganze Haus voller küssender, streichelnder, lachender alter Paare. Es wird Zeit, Ihnen die Risiken und Nebenwirkungen der Ausstellung zu schildern. Für den Fall, dass Sie sich die Fotografien von Winfried Eberhard noch ansehen möchten.

Heute eine Nebenwirkung. Sie hat mit Schlafzimmern zu tun. Ich hole erst mal etwas weiter aus:
Im Umfeld meiner Freundinnen und Bekannten, die so um 50 sind, kristallisiert sich der Trend zu getrennten Schlafzimmern heraus. Inzwischen kennt man sich, hat schon so dies und jenes im Leben wie im Bett erlebt und beginnt sich auch hier zu fragen, was man selbst eigentlich will. Schlaf zum Beispiel. Missiö nebendran schnarcht zum Steinerweichen, Madame liebt es, bis nachts um Zwei zu lesen, braucht aber wegen der schwindenden Sehkraft eine ordentliche Beleuchtung. Sie ist eine Frühschläferin, er schafft es nach Ende der Spätsendungen, geräuschvoll ins Bett zu schlurfen. Die Beststelle wackelt, der Lattenrost knarzt. Ende mit Durchschlafen.

Nachdem man sich jahrelang geärgert, gestritten hat oder falsche Kompromisse einging, ist jetzt der Tag gekommen: wir (weiterlesen …)

11. August 2012
Was ein Brot mit Sinnlichkeit und dem Sinn des Lebens zu tun hat

Dies ist die Geschichte, die eine Frau um die 70 heute morgen erinnerte, als ich eine Andacht über Sinn – und Sinnlichkeit anzettelte. Wir waren mitten im Begleitseminar zur Opernakademie Bad Orb und hatten am Abend zuvor die Premiere der  ” lustigen Weiber von Windsor” erlebt. Hier ist also meine theologische Entdeckung: die erste Schöpfungsgeschichte erzählt von einem sehr sinnlichen Akt, als Gott den Menschen schuf. Wer schon einmal mit Ton gearbeitet hat, und sich diesem Material einfach hingab, wird verstehen, was ich meine. (Ausführlicher ist dies nachzulesen in meinem Artikel über Älterwerden und Sexualität.)
Ich glaube, dass wir durch unsere Sinne Sinn erfahren können. Und ich glaube, der Sinn des Lebens schlummert (unter anderem) darin, dass wir unsere Sinne und unsere Sinn-lichkeit als Geschenke und Schätze wahrnehmen.

Hier also die Kindheitserinnerung, die gleich zwei Frauen hatten:

“Als ich groß genug war, durfte ich es übernehmen, den Sauerteig für unser Brot mit den Händen zu mischen. Das war ein herrliches Gefühl, sehr sinnlich. Dann wurde der Teig mit zwei Kreuzen und “Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes” gesegnet und zugedeckt. Am nächsten Tag hat mein Bruder den Teig geknetet, das war etwas schwerer. Die Brote wurden geformt. Der Ofen heiß gemacht. Mit drei Ähren, die hineingeworfen wurden, wurde geprüft, ob der Ofen heiß genug ist. Dann wurde der Ofen gesegnet und die Brote eingeschossen.”

Ich konnte den feuchtkühlen Brotteig fühlen, den herzhaften Ofenduft riechen, das Krachen der Kruste beim Schneiden hören, den frisch gebackenen Sauerteig schmecken. Und das Strahlen der Frau sehen. Was für ein wundervolles Alltagsritual, ein Gebet mit allen Sinnen. Es hat die Familie zusammengebracht und genährt. Wenn das nicht ein Geschmack vom Sinn des Lebens ist.

 

 

7. August 2012
Spielerisch der Liebe im Alter ein Gesicht geben – Eröffnung der Ausstellung “Alter und Liebe”

„Ich suche dich! Wir haben uns auf der Seniorenfeier in Freigericht-Neuses getroffen. Du bist 85 J. alt,  kommst aus Schlesien und wohnst in Somborn. Wir saßen uns gegenüber. Bitte melde dich!“
(Quelle: Online Material zur Ausstellung Alter und Liebe)

Irgendwann werden wir nicht mehr  über diese Suchanzeige schmunzeln, die tatsächlich in der Zeitung stand. Irgendwann wird es normal sein, dass alte Paare händchenhaltend durch die Fußgängerzone schlendern. Und niemand wird sich über den leidenschaftlichen Kuss amüsieren, den sich zwei 90-jährige im Altenheim geben. Helmut Schmidt wird mit seiner neuen Lebensgefährtin keine Schlagzeilen machen.
Niemand wird sich mehr schämen müssen, zuzugeben, dass er mit 75 doch noch mal eine Kontaktanzeige aufgegeben hat – und Erfolg hatte!
Irgendwann werden ältere Männer feststellen, dass ältere Frauen doch die besseren Liebhaberinnen sind. Und die Zartheit der altersfaltigen Haut wird gepriesen wie die Pfirsichhaut einer 20 – Jährigen.

Ab sofort können Sie bei uns im ebz die wunderbare Wanderausstellung des Hanauer Seniorenbüros  “Alter und Liebe” mit Fotografien von älteren Paaren von Winfried Eberhardt sehen. Bis zum 27. September täglich 9 – 16 Uhr, sonntags bis 15 Uhr.

Würzburger Str. 13, Bad Orb

Uuuuuuuuuuuuund einen sehr vergnüglichen Artikel über Sexualität und Älterwerden können Sie lesen. Den schrieb ich für eine katholische Zeitschrift und er enthält zu viele sinn-liche Wörter, als dass ich sie hier in den Blog stellen könnte. Dann kriege ich leider blöden Besuch von Leuten die ich hier nicht haben will. Aber unbedingt hinklicken: hier geht´s zum Artikel!

 

 

22. Mai 2012
Engelbert 12 Points !– Warum wir dieses Mal beim Eurovison Contest mitstimmen

Engelbert Humperdinck gehört zum Soundtrack meiner Kindheit. „Blue Spanish Eyes“ kann ich locker mitsingen und zu „Please, release me“ habe ich meine Eltern schwofen sehen. Der Song kam 1966 in meinem Geburtsjahr heraus. Während ich dies schreibe läuft im Hintergrund ein Medley, das Sie bei U-Tube finden. Ich kenne jede Note, obwohl Engelbert nicht in meiner CD Sammlung steht. Nun ist Herr Humperdinck 75 Jahre alt und tritt für Großbritannien beim Eurovision Song Contest an. Neben all den Jüngelchen und „Schnuckis mit Muckis“ – Gottseidank ohne Schnauzer. Aber den Koteletten ist er treu geblieben und singt immer noch und immer weiter über die Liebe. Am Anfang seiner Karriere wollte er seine Geliebte loswerden für die nächste in der Reihe. In „Love can set you free“, seinem Titel für den ESC, wird er sehr melancholisch selbst verlassen. Aber eins verlässt ihn nie: die Hoffnung, dass er wieder eine Liebe finden wird und dass die Liebe frei macht. Dafür ist er mein Held des Monats und bekommt von mir „12 Points“.
Konkurrenz können ihm nur noch die russischen Großmütter mit „Party for everybody!“ machen. Endlich kommt  mal Schwung und Lebenserfahrung in die faltenlosen Fassaden des ESC!
Bitte sehr:
If you love someone, follow your heart
‘Cause love comes once if you’re lucky enough
Though I’ll miss you forever, the hurt will run deep
Only love can set you free

Trust in your dreams, run with no fear
And if you should stumble remember I’m near
As a ghost I will walk, I’ll look deep in my soul
I might find another, you gave me that hope

Wenn du jemand liebst, folge deinem Herzen
denn die Liebe kommt einmal, wenn du genug Glück hast
Ich werd dich wohl für immer vermissen, der Schmerz geht tief
Nur Liebe kann dich frei machen.

Trau deinen Träumen, geh ohne Angst
Wenn du stolperst, denk dran, ich bin nah
Wie ein Geist werde ich wandeln; ich schaue tief in meine Seele.
Ich kann eine andere finden, diese Hoffnung hast du mir gegeben

16. Mai 2012
Göttliche Lebenslust

Folgendes schrieb ich in den Impulsen der Frauenarbeit der EKKW zum Monatsspruch für den Mai:

Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut und nichts verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.     
1.Timotheus 4,4
Immer wenn ich in die Sauna gehe, übe ich mich in einer körperspirituellen Aufgabe: mich selbst und all die nackten Frauen und Männer – und die meisten entsprechen nicht den Idealmaßen – mit den Augen Gottes zu sehen. Ich versuche es. Was haben mich die ununterbrochen tratschenden Weiber und die “Ich-bin-so-toll-ich-bin-so-schön-Kerle” schon genervt, wenn ich einfach mal in Ruhe schwitzen wollte.
Der erste Schöpfungstext am Anfang der Bibel beschreibt ein Ritual Gottes. Immer am Abend, so um die Zeit, wenn wir uns gerne ein Weinchen oder Bierchen oder einen Tee gönnen, dann blickt Gott auf das Wunderwerk, das an diesem Tag entstanden ist. Durch ihr kreatives Schaffen. Jeden Abend hält sie seufzend inne und sagt: sehr gut. Man stelle sich vor: Wir sind von Gott in einem körperschenkendem kreativen Akt geformt und mit ihrer Geistkraft beseelt. Lebendige Wesen, die das Weben und Formen und Streichen und Wässern und Schneiden und Säen, das Lieben und Freuen Gottes weiter führen, sich einander und der Schöpfung hingeben sollen. Wer schon einmal mit Ton gearbeitet hat, weiß, wie sinnlich das sein kann. Feucht und glitschig, kühl und dann wärmer entstehen lustvolle Formen, werden verworfen, entstehen neu, lassen sich in sanftem Streicheln formen und glätten. Wer sich traut, mag es zugeben: mit Ton zu arbeiten ist erotisch. Erotisch, weil es die Sinne erfreut, lustvoll entspannt, heilsam euphorisch machen kann.
Ich lasse also dieses Bild für einen Moment in meine Körperseele einsinken: Gott gibt sich einem erotischen kreativen Schaffen hin. Und das Ergebnis sind wir: Männer und Frauen, Kinder, Jugendliche, Ältere, Alte. Sinnliche Wesen, die aus dem sinnlich erschaffenen Prototyp erwachsen sind. Sehr gut. Ich finde, im Mai darf ich mir die Geschichte mal so anschauen. Endlich fallen die Winterhüllen endgültig. Die Natur gibt sich der Fülle hin und so auch ich. Sehen, schmecken, fühlen, lecken, streicheln, was Gott geschaffen hat und in diesem Moment vor meinen Sinnen entstehen lässt. Sehr, sehr, sehr gut. Und wenn ich das in meine Körperseele sinken lasse und den Poren noch einen Hauch gelben Blütenstaubs gönne, dann sehe ich mich mit den Augen Gottes. Und all die Menschen, die ich sonst so hässlich und nervend finde, auch. Und, glauben Sie mir, das fühlt sich gut an.

5. Februar 2012
Sehet – schmecket: Götterspeise statt hartem Brot

Warum erzähle ich Ihnen, was ich heute erlebte? Weil vielleicht auch Sie auf der Suche nach Seelennahrung sind. Und weil Gabi Erne in der zweiten Lebenshälfte die Verbindung von Küche und Altar mutig voran bringt.

Im dunkel getäfelten Eingangsbereich empfangen Sie weiß gekleidete Menschen mit Schürzen. In ihren Händen riesige Schalen mit klein geschnittenem Graubrot in rauhen Mengen. Ermuntert greift man hinein und noch kauend stößt man auf Reihen von weiß eingedeckten Tischen. Weißer Suppenteller, Löffel, orange Serviette. Rund um das Kirchgestühl. Ja, Sie sind in der Marburger Universitätskirche, nicht in einem Restaurant. Geladen hat das Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart.

Kürbis und Kardamom – Gloria
Um den Altar noch mehr Tische und Bänke. Wir nehmen erwartungsvoll im Gestühl Platz. Auf dem Altar türmen sich Zwiebelschalen, Kartoffelschalen, Karottenschalen, Rosmarintöpfchen und frische Petersilie. Ein Kreuz – aus Brotstückchen. Dahinter steht und wirkt eine in weiß gekleidete Frau. Sie schält Kartoffeln, schrabbt Möhren, zerkleinert Zwiebeln, rührt in den Töpfen, die rechts und links des Altars auf Rechauds köcheln. die Orgel spielt, Pfarrer Prof.Dr. Thomas Erne steht vor dem Altar, begrüßt, betet. Die Frau kocht weiter, wie daheim, in aller Ruhe und mit Hingabe. Beim “Ehre sei Gott in der Höhe” beginnt ein Duft von Kürbis und Kardamom die ersten Reihen zu streifen.

Himmel und Hölle – das gleiche Szenario: an reich gedeckten Tafeln sitzen die Menschen. Statt Händen haben sie lange Löffel. Die Menschen in der Hölle werden vor dem reich gedeckten Tisch verhungern. Nicht so im Himmel. Hier füttern sich die Gäste gegenseitig.

“Gesegnet die Zwiebel”
“geben und nehmen” heißt die Aktion, die Künstlerin Gabi Erne (weiterlesen …)

5. August 2011
Wenn der Wecker nicht mehr Klingelt – Partner im Ruhestand

Den folgenden Artikel von Dr. Johannes Dirschauer fand ich in der neuen Berliner Zeitschrift für die zweite Lebenshälfte: Passagen. Vielen Dank, dass ich den Artikel hier veröffentlichen darf und viel Erfolg bei der zweiten Ausgabe! 

Herr Dirschauer hält im Oktober ein Seminar bei uns: Sätze der Sehnsucht – Bücherschätze: ein literarischer Lebensrückblick.

www.passagen-berlin.de

Wenn der Wecker nicht mehr klingelt – ein Buch, aber zunächst das Foto: Ein wolkenloser Himmel, ein Strandkorb vor einem tiefblauen Stadtsee (dem Berliner Wannsee). Im Standkorb ein Mann mit Brille und graumeliertem Haar. Er liest eine Zeitung (das Handelsblatt). Die Beine sind übereinandergeschlagen ausgestreckt auf einem hochkant gestellten Aktenkoffer, barfüßig. Die schwarzen, gut geputzten Schuhe liegen achtlos im Sand. Schuhe, Koffer (und also denken wir: auch der Mann) haben ausgedient. Auf der Rückseite des Strandkorbs, von diesem (nicht mehr von ihrem Mann) in den Rücken gepiekt eine blonde Frau in einem frühlingsfrischen Blümchenkleid. Sicherlich gehört sie zu ihm. Aber gehören sie sich noch? Er guckt in die Zeitung, sie guckt – fast im Begriffe schon zu gehen – durch ein übergroßes Fernglas in die entgegengesetzte Richtung.

Dies ist die ein wenig arg drapierte, man möchte beinahe sagen barocke Umschlaggestaltung für ein Buch über Partner im Ruhestand. »Die auch schon!«, wollte man aufseufzen. Diese beiden würde man nie und nimmer für Senioren, Ruheständler oder schlicht für »Alte« halten. So sieht man doch noch nicht aus, wenn… Erschreckend jung sind die meisten Paare, die die Berliner Autorin Bettina von Kleist für ihr Buch über Partner im Ruhestand interviewte. Trotz überaus erfolgreicher Karrieren begannen Ruhestand und dann auch Ruhestandskrise für viele der Befragten wegen der Umstrukturierungen und Fusionen, Konkurse (weiterlesen …)