Blog für die zweite Lebenshälfte

Blog für die zweite Lebenshälfte

Posts Tagged ‘Material für Gruppenarbeit’

17. April 2011
Woche 7 mit Psalm 30: Gewande(l)t

Trauerkleidung ist schwarz. Sie anzuziehen stellt heraus. Und schützt. Alle sehen es: du bist in Trauer. Und man lässt dir deine Trauer. Weil du schwarz gewandet bist, darfst du matt sein, ohne Freude, weinen, zornig werden.
Was früher ein allgemein verbreitetes Ritual war, das Trauerjahr in Schwarz zu gehen, ist Ihnen vielleicht noch vertraut. Inzwischen wird es nicht mehr so streng angewendet. Ich weiß noch, wie eine Frau einmal sagte: “Manche ältere Frauen kamen aus dem Schwarz gar nicht mehr heraus.” Und wenn doch, dann war das ein riesiger Schritt. Für viele die trauern, sei es um einen Verlust an den Tod oder an das Leben, ist die Kleiderfrage nach wie vor ein Thema. Der Schritt aus der Trauerkleidung in die “normale” Alltagskleidung” ist ein Ritual, das oft sehr intensiv bedacht wird. Ist es Zeit sich dem Leben wieder zuzuwenden? Wende ich mich damit von dem Menschen ab, um den ich trauere?

Ich habe von einer befreundeten Trauerbegleiterin gelernt, dass der Weg der Trauer sehr unterschiedlich begangen wird, weil wir so unterschiedlich sind. Und dass es nicht darum gehen kann, den verlorenen Menschen von sich abzutrennen. Nein, eher ist es wie eine Melodie, die diesen Menschen ausgemacht hat und diese Melodie nehme ich nach und nach in meine eigene Lebensmelodie mit hinein. Etwas, was diese Person immer gesagt oder getan hat, etwas was ihr wichtig war oder ihr besonderer Beitrag zum Leben. Manchmal merken wir, wie etwas davon in unserem eigenen Leben, Sagen und Handeln auftaucht. (weiterlesen …)

10. April 2011
7 Wochen mit Psalm 30: Auf dem Berg des Glaubens

Kaum hatte ich vergangene Woche über den verborgenen Gott geschrieben, schon schoben sich spektakuläre Nebelszenarien vor meinen “Hausberg”.
Hier ist der Vers, den ich letzte Woche noch umwandert habe:

Psalm 30, Vers 7-8: Ich aber sprach als es mir gut ging: Ich werde nimmermehr wanken. Denn, Herr, durch dein Wohlgefallen  hattest du mich auf einen hohen Fels gestellt.” (Luther-Übersetzung)
“Ich aber dachte in meiner Sorglosigkeit: nie werde ich wanken, niemals! Ewige, in deiner Gunst hast du meinem Berg Stärke verliehen.” (Bibel in gerechter Sprache)

Sie kennen das sicher auch: wenn es Ihnen gut geht, dann kann Sie nichts umwerfen. Sie wissen aber sicher auch aus Erfahrung, dass diese Gewissheit ab und an am seidenen Faden hängt. Nämlich dann, wenn die Nebel aufziehen. Davon hatten wir ja in letzter Zeit wieder einige.

Der Berg. Ich habe noch mal in der hebräischen Bibel nachgeschlagen: es ist wirklich “Har”, der Berg. Ich sage Ihnen gleich, warum mir das so wichtig war. Luther hat vielleicht Petrus/den Felsen im Sinn gehabt, die Stärke des Glaubens, denn darum geht es hier ja.
Aber mir fiel zuallererst dies ein: der Berg ist in der hebräischen Bibel ein Ort der Gottesbegegnung. (weiterlesen …)

27. März 2011
Woche 3 mit Psalm 30: (H)eiliger Zorn

Ich hatte es ja ganz am Anfang angekündigt: rauf und runter. Wenn Sie Woche 2 mit Loben verbracht haben – wie war das für Sie? – dann werden Sie jetzt wie ich über dies Stolpern: den Zorn Gottes.

Psalm 30, Vers 6
“Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade.” (Luther-Übersetzung)
“Einen Augenblick nur sind wir unter ihrem Zorn, ein Leben lang in ihrer Gunst.” (Bibel in gerechter Sprache)

Der Zorn Gottes ist gerade wieder sehr aktuell in Bibelkreisen und christlichen Foren. Das Erdbeben in Japan mit seinen Folgekatastophen wird derzeit gerne mit dem Zorn Gottes erklärt und als Strafe verstanden. Davon distanziere ich mich ganz entschieden. Und möchte mit Ihnen in dieser Woche über den Zorn nachdenken: Ihren eigenen und den Zorn Gottes.
Mit großer Wahrscheinlichkeit sind Sie damit aufgewachsen, dass Zorn etwas Negatives ist. Wenn Sie selbst als Kind zornig wurden, wurde Ihnen das verboten, Sie wurden mit dem Rumpelstilzchen verglichen, in Ihre stille Ecke verwiesen. Denn wenn eines stimmt, dann dies:

Zorn ist eine gewaltige Kraft. (weiterlesen …)

27. Januar 2011
Neues Angebot: Grundkurs im Seewandeln

Als sich Anfang des Jahres abzeichnete, dass wir so ein starkes Hochwasser kriegen würden, schrieb ich kurzerhand und kurzfristig ein Seminar aus: „Grundkurs im Seewandeln.“ Die `Wächtersbacher Seenplatte`, also die Wiesen rund um die über die Ufer getretene Kinzig wären doch optimal, um mit Anfängern das Seewandeln zu üben, dachte ich; Sie wissen schon, so wie Petrus, auf der Wasseroberfläche gehen. Ich weiß jetzt nicht, ob es daran lag, dass die Werbung in den Zeitungen zu kurzfristig rauskam. Jedenfalls meldeten sich nur eine handvoll Leute an. Ich lies den Kurs trotzdem stattfinden. Manchmal muss man klein beginnen. (weiterlesen …)

20. Januar 2011
Jahreslosung 2011: Den Zorn bei den Hörnern packen

Was hab ich mich gequält mit der diesjährigen Jahreslosung “Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem” (Römerbrief 12, 21) Du liebe Güte, was für RIESIGE Worte. Das Böse, das fern und groß überall lauert. Da ist von der Weltpolitik bis zur Wirtschaftskrise alles drin – und irgendwie wird immer jemand in die Ecke gestellt, wo niemand hin will: BÖSE.

Das halte ich dann doch lieber fern von mir. Bis eine Teilnehmerin unserer Silvesterfreizeit dieses Erlebnis erzählte: Weil sie und ihr Mann Kleintiere halten, geschieht es hier und da, dass eines stirbt. Das Hühnchen oder Häschen wurde am Rande des Gartens begraben. Bis eines Tages der Nachbar ein Schild am Zaun aufstellte: Tiere begraben verboten! Die Dame war überrascht. Sonst hatten sie immer ein gutes Verhältnis zum Nachbarn gehabt, haben geredet. Nun dies!
Statt mit ihm in einen Streit zu gehen tat sie folgendes: sie säte hochwachsende Blumen über den Gräbern. Diese wuchsen und winkten im Sommer bunt über den Zaun. Die Tiere kommen nun an eine andere Stelle. Das Schild ist inzwischen verschwunden.

Wie hätten Sie reagiert – auf der einen wie auf der anderen Seite? Steigt Ihnen die Zornesröte ins Gesicht? Man kennt ja solche Streitigkeiten: das Treppenhaus mit Wochenputzplan, die Kaffeetassen, die (weiterlesen …)

3. Dezember 2010
Töpfchen steh

Heute morgen ist das Märchen vom süßen Brei bei mir “angekommen”. Ein armes Mädchen bekommt von einer alten Frau ein Töpfchen geschenkt und die dazu gehörigen Zauberworte. Nun kann das Kind sich selbst und seine Mutter versorgen und sie brauchen nicht mehr zu hungern.
Als das Kind einmal nicht da ist, versucht die Mutter ihr Glück mit dem Töpfchen. Doch da sie nicht weiß, wie sie den Fluss des guten süßen Breis stoppen kann, ergießt er sich im ganzen Haus und bedeckt schließlich fast den ganzen Ort mit seinem überbordenden Segen.

Heute morgen kamen aus dem Traumland als erstes die fehlenden Worte zu mir “Töpfchen, steh”. Und mit einem Mal wusste ich: (weiterlesen …)

12. November 2010
Die letzte Strophe singen – Gedanken zwischen Tod und Leben

Diejenigen unter Ihnen, die Lieder für Gottesdienste und Andachten heraussuchen müssen, werden das vielleicht kennen: irgendwie macht man meistens einen Bogen um die letzten Strophen. Die meisten Lieder im Gesangbuch blicken am Ende auf das Ende – und das was danach kommt. Die „letzte Reise“, die „Todesnot“, „Kreuz und Elende“ werden genauso besungen wie „ewigliche Freiheit“, der „himmlische Garten“ und die „Freude die Fülle“.

Und das geht durch die Jahreszeiten und Kirchenjahreszeiten hindurch. Ich weiß nicht, ob in früheren Zeiten immer alle Strophen gesungen wurden.  Wenn ja, dann bedeutet das, dass die Menschen immer auch die Übung aus Psalm 90 (V12) in ihren Glaubensalltag aufgenommen haben: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

Im November trauen wir uns vorübergehend an unsere Sterblichkeit, als gäbe es dafür eine Jahreszeit. Das Leben singt überall, an erwarteten und unerwarteten Stellen seine letzte Strophe.

Im Älterwerden nähern wir uns dieser Letzten Strophe unseres Lebens. Das ist so. Und es macht auch Angst. Ich habe vor einiger Zeit sozusagen im Selbstversuch (ich finde, ich sollte auch selbst das tun, was ich anderen empfehle) meine Patienten- und Betreuungsverfügungen (weiterlesen …)

13. Oktober 2010
Herbstandacht – Gott liest den Spruch des Tages vor…

Es sind zwei Grad am Morgen, Rauhreif liegt auf den Wiesen. Später wird die Sonne das Grau in ein strahlendes Blau verwandeln. Die Blätter im Kurpark strahlen in tiefem Rot und Gelb. Die schönste Zeit in Bad Orb ist jetzt! (Das werde ich im Frühling dann wieder schreiben…) Eine Kastanie hat mir Geschenke vor die Füße gelegt. Ich sammle eine Tasche voll dicker brauner glänzender Handschmeichler. Dazu stachelige Schalen. Einige Kastanien sind noch fest in ihrer Hülle.
In der Andacht am Morgen lese ich das Gedicht von Gabriele Lins. Reiche dann auf einer Schale meine Kastanienschätze herum mit den Worten: dies ist der Spruch des Tages, den Gott mir vorgelesen hat. Was lesen Sie darin? Ich bin erstaunt, wie viele sich eine Schale nehmen statt einer Kastanie. Was lesen die Frauen und Männer?: Schutz liegt in der Schale; ein Herz!; Kastanien in der Tasche sind gut gegen Rheuma; das Leben ist nicht nur glatt, sondern manchmal ganz schön stachelig; und wenn man die stachelige Schale öffnet findet man viel Schönes. …

Später erzählt mir ein Gast noch von der Kastanie in seinem Garten: sein Sohn pflanzte dort im Alter von 5 Jahren Eicheln und Kastanien. Eine blieb stehen. Sie ist inzwischen, 45 Jahre später, größer als das Haus. An ihrem Stamm waren auch die Gräber für die Haustiere. Ein Kreuz, das am Stamm lehnte, hat der Stamm nach und nach umarmt und in sich aufgenommen. Ob man es finden würde, wenn man den Stamm aufschneidet?

Was lesen Sie im Spruch des Tages?

Herbstandacht
von Gabriele Lins

Der Tag die Morgenandacht hält,
behängt mit weichem Nebeltuch.
Ein Krähenruf in Stille fällt.
Es liegt wie ein geschloss’nes Buch
die Welt. (weiterlesen …)

14. Juli 2010
Das Ehrenamt ehren

Menschen in der zweiten Lebenshälfte engagieren sich freiwillig in Kirche und Gesellschaft. Viele sagen “Ich habe in meinem Leben viel bekommen – nun möchte ich etwas zurückgeben.”  Die unterschiedlichen Formen des Engagements werden oft gar nicht wahrgenommen. Aus der Nachbarlandeskirche habe ich einen sehr anregenden, komplett vorbereiteten und einfach umsetzbaren Vorschlag, wie man dies tun kann, das Engagement  würdigen. Lisa Neuhaus, Pfarrerin der Sankt Petersgemeinde Frankfurt (weiterlesen …)

13. Juli 2010
“Geh aus mein Herz!” – Das Herz bei Paul Gerhardt

Unsere Freizeit rund um das Thema “Herz” ist nun zuende. Bei Paul Gerhardt haben wir viel entdeckt. Was wir zusammen herausfanden, haben wir für Sie zusammengestellt. Wir erheben keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit oder Vollständigkeit. Wir feuen uns über Ihre Resonanzen! Und wir nehmen Ihre Anregungen gerne auf und geben sie weiter. Hier geht´s zum Material.