Blog für die zweite Lebenshälfte

Blog für die zweite Lebenshälfte

Posts Tagged ‘Psalm 30’

20. Oktober 2012
Die Konsistenz von Zorn

Neues aus dem Bibliodrama -Atelier “Spurensuche Spiritualität”  im ebz (zu Psalm 30). Eine Ergänzung zu dem, was ich letztes Jahr über den Zorn Gottes schrieb. Zorn ist ja generationenübergreifend tabu und angstbesetzt. Da Angst und Enge miteinander verwandt sind (auch in der Herkunft der Wörter) – und ich Glauben mit Weite in Verbindung bringe, bin ich jetzt dem Zorn auf der Spur (oder den Fersen. ich will´s jetzt wirklich wissen!). Psalm 30 sagt, der Zorn Gottes dauere nur einen Augenblick. Das wurde irgendwie falsch gewichtet in der Religionsgeschichte, auch Martin Luther kämpfte mit dem Bild des zornigen Gottes. Der Satz danach wurde gerne übersehen? “Gottes Gnade währt ein Leben lang.”

Seit wir im ebz die Atelierküche haben, verstehe ich Spiritualität mehr und mehr als Lebensmittel. Es würde zu weit führen, Ihnen zu erklären, wie ich darauf kam, aber hier ist es:
Ich habe eine Umfrage gemacht, wie “Zorn” schmeckt: “bitter, salzig, süß (manchmal), staubig, blättrig, bitter, Vertrauen, salzig, scharf, bitter, sauer bitter, scharf.” Und ich wollte auch wissen, welche Konsistenz “Zorn” hat. Da kam folgendes heraus: bröckelig, flüssig, trocken, vertrocknet, Kraft, Trauen, Tränen, fest, hart, knusprig, hart und knusprig”.

Vielleicht mögen Sie schon einmal auf diesen weiten und weisen Worten herumkauen. Ich muss jetzt in die Küche: eine zornige Salsa herstellen.

18. Oktober 2012
Der alte Gott darf endlich gehen.

Was wurde in Seelen zerstört, damals, als der “liebe Gott” noch alles sah. Als Gott von Eltern und KirchenvertreterInnen dafür benutzt wurde, die Lust und Lebensfreude aus dem Körper zu jagen.

Ich befinde mich gerade mitten im Bibliodrama – Atelier, das ich gemeinsam mit Christoph Riemer im ebz anbiete. Wir beschäftigen uns mit Psalm 30, über den ich im vergangenen Jahr hier im Blog schrieb. Und ich bin gerade sehr berührt von dem Leid und der Knechtschaft, die dieses Gottesbild über lange Lebensläufe hinweg kreiert hat.

Und dagegen: wenn ich mir diesen Psalm noch einmal genauer anschaue, ist der Gott, der mir hier entgegenschaut so ganz und gar für mich da. Zieht mich heraus aus dem Totenreich, lässt mit sich verhandeln, zieht mir die Trauerkleider aus. Ist ein Helfer, schenkt mir meine Lebenskraft zurück.

Zwei Alte haben den alten Gott gehen lassen. Rausgeschmissen. Und das Leben eingeladen.  Ich bin berührt von der Schönheit, die ich sah, als dies geschah.

17. April 2011
Woche 7 mit Psalm 30: Gewande(l)t

Trauerkleidung ist schwarz. Sie anzuziehen stellt heraus. Und schützt. Alle sehen es: du bist in Trauer. Und man lässt dir deine Trauer. Weil du schwarz gewandet bist, darfst du matt sein, ohne Freude, weinen, zornig werden.
Was früher ein allgemein verbreitetes Ritual war, das Trauerjahr in Schwarz zu gehen, ist Ihnen vielleicht noch vertraut. Inzwischen wird es nicht mehr so streng angewendet. Ich weiß noch, wie eine Frau einmal sagte: “Manche ältere Frauen kamen aus dem Schwarz gar nicht mehr heraus.” Und wenn doch, dann war das ein riesiger Schritt. Für viele die trauern, sei es um einen Verlust an den Tod oder an das Leben, ist die Kleiderfrage nach wie vor ein Thema. Der Schritt aus der Trauerkleidung in die “normale” Alltagskleidung” ist ein Ritual, das oft sehr intensiv bedacht wird. Ist es Zeit sich dem Leben wieder zuzuwenden? Wende ich mich damit von dem Menschen ab, um den ich trauere?

Ich habe von einer befreundeten Trauerbegleiterin gelernt, dass der Weg der Trauer sehr unterschiedlich begangen wird, weil wir so unterschiedlich sind. Und dass es nicht darum gehen kann, den verlorenen Menschen von sich abzutrennen. Nein, eher ist es wie eine Melodie, die diesen Menschen ausgemacht hat und diese Melodie nehme ich nach und nach in meine eigene Lebensmelodie mit hinein. Etwas, was diese Person immer gesagt oder getan hat, etwas was ihr wichtig war oder ihr besonderer Beitrag zum Leben. Manchmal merken wir, wie etwas davon in unserem eigenen Leben, Sagen und Handeln auftaucht. (weiterlesen …)

10. April 2011
7 Wochen mit Psalm 30: Auf dem Berg des Glaubens

Kaum hatte ich vergangene Woche über den verborgenen Gott geschrieben, schon schoben sich spektakuläre Nebelszenarien vor meinen “Hausberg”.
Hier ist der Vers, den ich letzte Woche noch umwandert habe:

Psalm 30, Vers 7-8: Ich aber sprach als es mir gut ging: Ich werde nimmermehr wanken. Denn, Herr, durch dein Wohlgefallen  hattest du mich auf einen hohen Fels gestellt.” (Luther-Übersetzung)
“Ich aber dachte in meiner Sorglosigkeit: nie werde ich wanken, niemals! Ewige, in deiner Gunst hast du meinem Berg Stärke verliehen.” (Bibel in gerechter Sprache)

Sie kennen das sicher auch: wenn es Ihnen gut geht, dann kann Sie nichts umwerfen. Sie wissen aber sicher auch aus Erfahrung, dass diese Gewissheit ab und an am seidenen Faden hängt. Nämlich dann, wenn die Nebel aufziehen. Davon hatten wir ja in letzter Zeit wieder einige.

Der Berg. Ich habe noch mal in der hebräischen Bibel nachgeschlagen: es ist wirklich “Har”, der Berg. Ich sage Ihnen gleich, warum mir das so wichtig war. Luther hat vielleicht Petrus/den Felsen im Sinn gehabt, die Stärke des Glaubens, denn darum geht es hier ja.
Aber mir fiel zuallererst dies ein: der Berg ist in der hebräischen Bibel ein Ort der Gottesbegegnung. (weiterlesen …)

3. April 2011
Woche 4 mit Psalm 30: Verborgener Gott

Eigentlich wäre in der Reihenfolge von Psalm 30 heute ein Berg dran (V7-8). Das schaffe ich aber nicht. Der Berg meiner Arbeit in Vorbereitung auf den heutigen Tag der offenen Tür war so groß … Aber mir ging bei aller Lebensfülle, die uns jetzt in der Natur umgibt und bei all der Fülle, die sich im ebz gerade entfaltet dieses Bild aus St. Peter in Köln nicht aus dem Kopf. Und nun entdecke ich in Vers 8 eine Verbindung zu diesem Bild:

Psalm 30, Vers 8:
Als du dein Antlitz verbargst, erschrak ich. ( Luther – Übersetzung)
Als du dein Gesicht verhülltest, wurde ich schreckensstarr. (Bibel in gerechter Sprache)

Ich trat in diese Kirche und sie war – bis auf die Stühle – verhüllt. Alle bunten Glasfenster, alle Altäre, alle Statuen, sogar das Kreuz, das der Messdiener (mit seinen schwarzweißkarierten Turnschuhen) zur Messe hereintrug, waren mit weißem Leinen verhüllt. Nur die (weiterlesen …)

27. März 2011
Woche 3 mit Psalm 30: (H)eiliger Zorn

Ich hatte es ja ganz am Anfang angekündigt: rauf und runter. Wenn Sie Woche 2 mit Loben verbracht haben – wie war das für Sie? – dann werden Sie jetzt wie ich über dies Stolpern: den Zorn Gottes.

Psalm 30, Vers 6
“Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade.” (Luther-Übersetzung)
“Einen Augenblick nur sind wir unter ihrem Zorn, ein Leben lang in ihrer Gunst.” (Bibel in gerechter Sprache)

Der Zorn Gottes ist gerade wieder sehr aktuell in Bibelkreisen und christlichen Foren. Das Erdbeben in Japan mit seinen Folgekatastophen wird derzeit gerne mit dem Zorn Gottes erklärt und als Strafe verstanden. Davon distanziere ich mich ganz entschieden. Und möchte mit Ihnen in dieser Woche über den Zorn nachdenken: Ihren eigenen und den Zorn Gottes.
Mit großer Wahrscheinlichkeit sind Sie damit aufgewachsen, dass Zorn etwas Negatives ist. Wenn Sie selbst als Kind zornig wurden, wurde Ihnen das verboten, Sie wurden mit dem Rumpelstilzchen verglichen, in Ihre stille Ecke verwiesen. Denn wenn eines stimmt, dann dies:

Zorn ist eine gewaltige Kraft. (weiterlesen …)

20. März 2011
Woche 2 mit Psalm 30: Lob-Lob-Lob!

Haben Sie Ihre Rettungen gezählt? (Woche 1 mit Psalm 30) Das war schon ein heftiger Start, finde ich. Und dann wurde diese Spurensuche auch noch überrollt von den Katastrophen in Japan. Was die Menschen dort erleben, hat sicher bei vielen hier an schlimmen Erinnerungen gerührt. Umso wichtiger ist es, sich in und für solche Zeiten ein Polster des Schutzes und der Sicherheit zuzulegen. Neben der materiellen Sicherheit empfinde ich meinen Glauben und meine Spiritualität  als wichtige Grundlage. Als Boden unter den Füßen, Sicherheitsgurt/Sicherheitsnetz/Quelle der Kraft… Welches Bild würden Sie wählen?

Psalm 30 Vers 5 gibt uns ein paar Hinweise, wie wir diese Sicherheit finden:

“Lobsinget dem Herrn, Ihr seine Heiligen, und preiset seinen heiligen Namen!” (Lutherübersetzung)

„Musiziert für die Ewige, ihr, die ihr sie liebt, singt Loblieder zum Gedenken ihrer Heiligkeit.“ (Bibel in gerechter Sprache)

Loben statt Leiden
Kürzlich bei einem Gespräch unter Müttern sagte eine: “Man erzählt ja immer eher das Negative, wenn man über die Kinder redet. Vielleicht sollte man lieber mal (weiterlesen …)

15. März 2011
Psalm 30,4: Aus der Erstarrung – sich bewegen – etwas bewegen

Die Katastrophen, die Japan überrollen, lassen uns vor Schreck erstarren. Das Totenreich aus Psalm 30 hat sich aufgetan und unzählige Menschen verschlungen. Und die, die überleben, werden alle Kraft brauchen um wieder in ein einigermaßen normales Leben zurückzukehren.

Ich beobachte an mir und anderen, dass uns die Nachrichten erstarren lassen. Je nach Alter werden sehr unterschiedliche Erinnerungen wach. Sie machen die Erstarrung nur größer. Es ist die sprichwörtliche Starre des Schreckens. Die Bild am Sonntag titelte “Betet für Japan”. Dazu möchte ich auch aufrufen – lieber einladen. Auf eine Weise, (weiterlesen …)

13. März 2011
Woche 1 mit Psalm 30: Meine Rettungen zählen

Haben Sie schon einmal Ihre Rettungen gezählt? Wenn Sie schon etwas mehr Jahre auf dem Buckel haben, dürfte da ein bisschen was zusammen kommen.

weggezogen ……….. von der Gefahr
heraufgeholt………… aus dem Schlamassel
rausgeeist…………… aus der Bredouillie
wachgerüttelt…………. aus einem Albtraum
gerettet……………… vor mir selbst
geschützt…………

Haben Sie diese Erfahrungen jemals als Rettungen Gottes betrachtet? Der Psalmbeter in Psalm 30 tut dies: “Ich preise dich, Herr, denn du hast mich aus der Tiefe gezogen und lässest meine Feinde sich nicht über mich freuen. Herr, als ich schrie zu dir, machtest du mich gesund. 4 Herr, du hast mich von den Toten heraufgeholt; du hast mich am Leben erhalten, aber sie mussten in die Grube fahren.”

Und hier noch in der Übersetzung der Bibel in gerechter Sprache: “Ich will dich hochleben lassen, Ewige, denn du hast mich herausgezogen. … Ewige, meine Gottheit, um Hilfe schrie ich zu dir, da hast du mich geheilt. 4 Ewige, aus dem Totenreich hast du meine Lebenskraft heraufgeholt. Mich hast du am Leben erhalten, von denen, die in die Grube hinabsteigen.”

Dem Tod nahe war diese Person. Entweder selbst, oder durch den Tod eines Menschen der ihr nahestand. Und es gibt diese Zeiten, in denen man sich wie tot fühlt. Aber ich will heute gar nicht darin herum rühren, sondern auf dieses andere blicken: die Lebenskraft die zurückkam nach schweren Erlebnissen. Das Gefühl und Bewusstsein ins Leben zurückzukehren.

Ich habe diese Verse gelesen, dann einen Bleistift genommen und drauflos gezeichnet – ohne Plan, sehr viel Gekritzel, aus dem sich aber nach und nach ein Sinn schälte. Ich habe einen Blick auf meine Wurzeln geworfen und gesehen, was mich durch meine Krisen getragen hat.

Vielleicht mögen Sie dies auch einmal versuchen in dieser Woche und sich überraschen lassen. Still werden, diese Verse lesen, drauflos kritzeln/malen/krakeln.

Und Ihre Rettungen zählen. sie werden diese Liste bei der nächsten Krise gut gebrauchen können.

9. März 2011
Tag 1 mit Psalm 30: Aufräumen statt Einweihen

Aschermittwoch, Tag 1 der Fastenzeit und meines Vorhabens “7 Wochen mit Psalm 30″.  “Den Tempel einweihen” hatte ich mir vorgenommen. Nun, vor dem Einweihen kam erst einmal das Aufräumen. Meine “heilige Ecke”, also der Platz, der meiner geistlichen und kreativen Er-Holung gewidmet ist, war übersät mit Bank-, Versicherungs- und Steuer-Papieren. Manche abgearbeitet – ich habe sie abgelegt! Manche mehr als offen…
Ich höre das ja immer wieder: ich müsste endlich mal mein Testament machen. Ich müsste ja mal meine Finanzen regeln, ich müsste ja mal meine Patientenverfügung aktualisieren … Was, wenn vor dem Einweihen des Tempels das Klären der unerledigten Dinge kommt? Bei dem Gedanken bricht bei mir gleich große Müdigkeit durch. Beim Staubwischen dachte ich dann an das Ich-/Du-/Sachkonzept von Hubert Hein, um in der zweiten Lebenshälfte in guter Balance das zu tun, was getan werden muss und das was man sich wünscht. (Ausführlich können Sie das bei unserem Tag der offenen Tür am 3. April erfahren und noch ausführlicher bei unserem Bildungsurlaub “Vorbereitung auf den Ruhestand). Auf meinen heutigen und den morgigen Tag bezogen heißt das: für einen guten Platz für meine Spiritualität sorgen und daneben – oder gar dann erst?- eins nach dem andern regeln. Jedenfalls ist mein Platz jetzt schon mal weitgehend staub-und zettelfrei. Und der Entschluss gefasst, in diesen 7 Wochen den Kram abzuarbeiten, der mir das Leben schwer macht, wenn er nicht geregelt ist.

Diejenigen die einen Garten haben kennen das: vor der Blüte und der Ernte steht jetzt im Moment erst mal das schneiden, Erde lockern, vertikutieren etc. So ähnlich ist das vielleicht auch mit dem Alltag und der Spiritualität.

Wir werden sehen. Für morgen nehme ich mir vor herauszufinden, wie ich meinen “Tempel” einweihen kann.  Und Sie?